Muss man Angst vor Monopolen haben?

Es gibt tatsächlich, vor allem unter den Linken, eine Menge Leute, die meinen, Großkonzerne würden noch größer werden, wenn es keine staatliche Kontrolle gäbe. Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Warum? Das möchte ich hier darlegen.

Besonders beliebt sind bei Argumentationen dieser Art Kartellgesetze. Aber haben diese wirklich etwas gebracht, was die Frage der Gefahr durch Monopolisierung betrifft? Faktisch nicht. Sie bewirken in der Realität nur, dass sich große Firmen, selbst wenn sie es gar nicht wollen, mit der Politik arrangieren müssen. Das beste Beispiel ist Microsoft. Nein, ich mag diese Firma nicht. Aber immerhin hat sie (so wird zumindest erzählt, wirklich recherchiert habe ich das nicht) eine zeitlang keine Lobbyarbeit gemacht. Aber dann hat die Konkurrenz versucht, Microsoft mit Hilfe staatlicher Kartellgesetzgebung zu zerschlagen. Klar, dagegen musste Bill Gates was unternehmen. Hat er natürlich auch. Und so finanziert heute eben auch Microsoft eine Lobby in Washington. Von Wal-Mart hörte ich ähnliches.

Viel wichtiger bei der Frage nach der Betriebsgröße auf einem freien Markt erscheinen mir jedoch viele viele andere Punkte. Da ist zuallererst einmal der riesige bürokratische Aufwand zum Gründen einer Firma. Je mehr staatliche bürokratische Vorschriften, desto schwerer ist es, auch nur eine kleine Firma zu gründen.

Insbesondere muss der Arbeitgeber hier in Deutschland auch noch die Arbeit der Steuerfahnder übernehmen, also selbst Steuern und Abgaben für den Arbeitnehmer direkt an die staatlichen Behörden überweisen. Eine Unverschämtheit.

Große Firmen haben auch steuerrechtliche Vorteile: Alles, was intern stattfindet, wird nicht besteuert. Verluste einer Sparte können gegen Gewinne einer anderen Sparte aufgerechnet werden, besteuert wird nur der Gesamtprofit. Und, wichtiger noch, interne Investitionen vergrößern zwar den Wert der Aktien, werden aber auch nicht versteuert. Dadurch sind viele Firmen schon aus steuerrechtliche Gründen größer, als sie auf dem freien Markt wären.

Dann gibt es eine riesige, fast unüberblickbare Menge von Vorschriften, die als „Verbraucherschutz“ schöngeredet werden, in der Realität jedoch viel eher einen Schutz der aktuell etablierten Großkonzerne vor der Konkurrenz darstellen. Dazu reicht es, sich mal vorzustellen, wie ein ideales, aber für immerhin noch für alle gleiches Gesetz für den faulen Boss eines Großkonzerns aussehen würde: Ganz einfach, dieses Gesetz würde allen vorschreiben, alles ganz genauso zu machen wie seine eigene Firma es augenblicklich tut.

Und ziemlich genau so sehen die Verbraucherschutzvorschriften aus. Was auf dem Markt etabliert ist, entspricht ihnen. Eine im Prinzip ja mögliche Konkurrenz muss jedoch vieles erstmal genauso machen, wie es die etablierte Firma schon macht. Also muss sie erst einmal erheblich investieren.

Es gäbe da noch eine Variante. Wenn die etablierte Firma schon ein Patent für eine neue Technologie hat, dann wäre es sicherlich nützlich, wenn der Staat die Industrie etwas antreibt, und die noch von niemandem verwendete (und möglicherweise auch völlig unnütze) Technologie gesetzlich vorschreibt.

Wie sähe das hingegen auf einem freien Markt aus? Ein Neuling würde, auch wenn er noch nicht die Standards der etablierten Firmen realisieren kann, trotzdem am Markt teilnehmen können. Und seinen noch minderwertigen Service könnte er durch niedrigere Preise ausgleichen.

Und damit wäre er vor allem für die Armen attraktiv. Die Reichen würden sicherlich weiterhin die etablierten Firmen vorziehen, auch wenn die teurer sind, weil sie ja besseren Service bieten. Aber den Armen wäre der Service eher egal, wenn sie sich überhaupt das entsprechende Gut leisten könnten. Sie würden den Billiganbieter vorziehen.

Und damit erweist sich der Verbraucherschutz als dreierlei: Erstens als ein Schutz etablierter Firmen vor Konkurrenz, und damit eine Behinderung des Fortschritts, zweitens als eine Umverteilung von unten nach oben, weil den Armen verboten wird, einen billigeren Service zu nutzen, den die Reichen gar nicht nutzen wollen, und drittens einer Förderung großer Firmen, da es kleine Firmen sehr viel schwerer haben, allen möglichenVorschriften zu genügen.

Eine weitere erhebliche Förderung von Großfirmen ist die Folge des staatlichen Patentrechts. Statt einfach etwas herzustellen, was andere Menschen gebrauchen können, müssen sich Firmen erst einmal kundig machen, ob das, was sie produzieren wollen, nicht gegen irgendwelche Patentrechte verstößt. Wenn ja, müssen sie Gelder an irgendeine üblicherweise große Firma dafür zahlen, dass sie herstellen dürfen, was sie auch so herstellen wollten und problemlos hätten herstellen können.

Das Patentrecht ist extrem vorteilhaft für große etablierte Firmen, die sich eigene Forschungsabteilungen leisten können, und die sich jeden Furz, den sie dort entwickeln, patentieren lassen. Dass auf diese Art Innovation gefördert würde, dürfte ein Märchen sein.

Der libertäre Ersatz für ein Patentrecht ist das Recht, die eigenen Produktionsverfahren geheimzuhalten, und die Information über diese Verfahren zu verkaufen. Dies bietet ausreichend Verdienstmöglichkeiten für Forschung, behindert aber nicht den freien Markt.

Und selbst wenn so ab und zu eine Erfindung von der ganzen Welt genutzt werden kann, ohne dass der Erfinder eine angemessene Belohnung bekommt – ist nicht der Nutzen der ganzen Welt ein höherer Wert als der Vorteil des Einzelnen? Und gibt es nicht andere, zivilisiertere Methoden, die Erfinder allgemein genutzter Ideen zu würdigen? Durch Preise, Einladungen zu Vorträgen, gute Jobs an Prestige-Universitäten? Der freie Markt bietet hierzu genügend Möglichkeiten.

Und dann ist auch die Preisgestaltung auf den heutigen Märkten nicht so frei wie auf einem freien Markt. Es gilt ja sowieso, dass der böse Kapitalist immer im Unrecht ist: Ist der Preis höher als der Marktpreis, verlangt er Wucherpreise, ist es genau der Marktpreis, weist dies auf illegale Preisabsprache hin, und verlangt er weniger als den Marktpreis, macht er Dumpingpreise.

Aber das, was heute als Dumpingpreis verfolgt wird, ist genau das, womit ein Newcomer den Markt erobert, und womit er die etablierten Firmen um ihre Monopolstellung bringt. Nur, wie bringt man dem Volk bei, dass Dumpingpreise etwas Böses sind?

Es ist erstaunlich, aber im Kampf gegen Dumpingpreise vereinen sich scheinbar (aber auch nur scheinbar) entgegengesetzte Ideologien, insbesondere wenn die Dumpingpreise von ausländischen Anbietern gemacht werden: Die Nazis sind dagegen, weil doitsche Firmen geschützt werden müssen. Die Kommunisten hingegen verurteilen die böse kapitalistische Ausbeutung der Arbeiter in der Dritten Welt. Einig sind sie sich nur in der daraus resultierenden Empfehlung: Kauft nur beim Doitschen. Von ökonomischem Sachverstand zeugen beide Argumentationen nicht. Denn dass er seine Waren in Doitschland verkaufen kann, ermöglicht es dem Dritte-Welt-Kapitalisten, mehr Arbeiter einzustellen, und damit etwas gegen die Armut zu tun. Wird er boykottiert, muss er seine Arbeiter entlassen, und das ist mit Sicherheit nicht das, was dem armen ausgebeuteten Arbeiter guttut. Aber auch die doitsche Variante ist nicht von Weitblick getrübt. Denn wenn der Doitsche ausländische Waren kauft, was macht der Ausländer mit dem Geld? Letzten Endes wird er damit auch doitsche Waren kaufen. Vom Handel profitieren nämlich alle Beteiligten.

Wie auch immer, auf einem freien Markt können zwar immer noch die Ideologen der verschiedensten Farben ihr „Kauft nur beim Doitschen“ brüllen, aber sie könnten niemandem mehr verbieten, zu Dumpingpreisen zu verkaufen. Und damit könnten monopolisierte Märkte sehr viel schneller aufgemischt werden, zugunsten vor allem der Käufer.


3 Antworten auf „Muss man Angst vor Monopolen haben?“


  1. 1 Jack 17. Oktober 2011 um 18:39 Uhr

    Das Urheberrecht ist wie das Patentrecht ein geistiges Monopolrecht. Der Marktanteil von Microsoft wäre kein Problem, wenn Windows freie Software wäre. Bei GNU/Linux-Distributionen ist der Wettbewerb dagegen viel härter, weil jeder auf den Verbesserungen der anderen aufbauen darf.

    Lesetipp zu geistigen Monopolen:
    http://www.dklevine.com/general/intellectual/againstfinal.htm

  2. 2 ??? 19. Oktober 2011 um 1:47 Uhr

    1. Man sollte das Wort Recht heraushalte, Jack, denn Recht ist ungleich Gesetz. Es gibt ein Monopolgesetz und ein Urhebergesetz. Recht ist etwas universelles, dass über dem Gesetz stehen sollte. Mit Recht, recht haben, richtig, hat das sicher nichts zu tun sondern mit Zwang.

    2. Der Marktanteil resultiert aufgrund der staatlichen Eingriffe wie Ilja richtig skizziert hat.

    3. Warum sollte Microsoft seine Software verschenken ? Wäre ich Unternehmer würde ich auch geld verlangen.

    4. Es geht nicht um das aufbauen auf den Verbesserungen sondern dass in einem freien Markt, viele tausende, Millionen Menschen, in einem Wettbewerb stehen könnten. Bei Linux sind es sicher nicht so viele.

    Ein freier Markt ist eine Beschreibung für einen Platz an dem freie Menschen freiwillig tauschen. Wenn du NUR willst, dass windos freie software anbietest, beendest du grundsätzlich nicht den staatlichen zwang im markt.

  3. 3 libertarian 19. Oktober 2011 um 15:29 Uhr

    Hallo Jack,

    sehr vielen Dank für den Link, ein Superbuch, das Beste was ich in letzter Zeit gelesen habe. Ich werde da bestimmt noch was dazu schreiben.

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