Argumente gegen den Libertarismus

Zur Abwechselung nehme ich mal eher linke Argumente auseinander, wie sie im Artikel Libertarismus bei Ayn Rand und Ron Paul – Gegenargumente präsentiert werden. Ich will mich dabei nicht mit Kleinigkeiten abgeben. (War es je laut in deutschen Medien zu Ron Paul? Wieso findet die Beendigung der Kriege keinen linken Zuspruch?) Auch interessiert mich weder Ron Paul persönlich, noch Ayn Rand überhaupt, deren Objektivismus ja nur eine Moralvariante ist, genauso unbegründet wie andere auch, und für mich überhaupt keine Rolle spielt. Viel interessanter ist für mich der zweite Teil, in dem einige Argumentationsmuster empfohlen werden. Florian K. hat auf die erste Variante schon in einem ausführlichen Kommentar reagiert,
auf dessen wesentliche Punkte ich hier in dieser zweiten Variante gleich mit eingegangen bin – das sind im wesentlichen die Stellen, an denen ich mich im Text auf Florian beziehe.

Das Charity-Argument

Grob gesagt, sehen die meisten Libertären es als etwas Gutes an, wenn man anderen hilft. Sie erkennen jedoch nicht an, dass jemand andere ausraubt, um dann Dritten mit dem geraubten Geld zu helfen, und dies dann als etwas Gutes betrachtet – gut genug, um außerdem noch zu rechtfertigen, dass man selbst von dem geraubten Geld auch noch gut lebt. Ist ja eigentlich eine recht plausible Moral: Gut ist es, vom Eigenen etwas abzugeben, nicht jedoch von Geraubten.

Inwieweit der Einzelne eine moralische Verpflichtung hat, anderen zu helfen, ist eine der wohl kompliziertesten moralischen Fragen überhaupt. Wenn Ayn Rand hier eine radikale Position einnimmt, und eine solche moralische Pflicht ablehnt, ist das ihre Sache. Einen legitimen Grund dafür gibt es durchaus – diese moralische Pflicht wird viel mehr dazu missbraucht, staatliche Umverteilung als eine Art staatliche Durchsetzung dieser moralischen Pflicht zu legitimieren, als konkrete Leute zum Helfen aufzufordern.

Nur nach welchen Standards soll entschieden werden, wer „worthy of the help“ ist? Wie formuliert man einen solchen Standard ohne dabei auf einen allgemeinen oder gesellschaftlichen Nutzen oder aber auf ein persönliches Moralgefühl abzustellen?

Der Vorteil des libertären Herangehens ist ja gerade, dass man keine Standards setzen muss. Jeder Einzelne entscheidet selbst, wer genau wie stark hilfsbedürftig und hilfswürdig ist. Und dies im Rahmen seines Eigentums. Dabei stellt er natürlich auf sein persönliches Moralgefühl ab – welches ja ein anderes sein kann, und meist auch ist, als das von Ayn Rand.

Florian wandte ein, dass ich auf sein Argument hier nicht eingegangen bin, dass diejenigen, die Eigenes karitativ verteilen, durch den Markt bestraft werden. Karitative Tätigkeit ist natürlich keine wirtschaftliche Tätigkeit, sondern eine Form des Konsums. Sie bringt persönliche Befriedigung, Dankbarkeit, macht generell glücklicher, bringt aber durchaus auch Macht und auch eine Art Rückversicherung – wenn es einem selbst mal schlecht geht, wird dem früheren Spender doch eher geholfen als dem früheren Geizhals. Es gibt, mit anderen Worten, genug Vorteile, die den wirtschaftlichen Nachteil des Verschenkens ausgleichen.

Das Konfliktfreiheits-Argument

Es liegt mir fern, anznehmen, es gäbe eine Konfliktfreiheit in einer libertären Gesellschaft. Allerdings, das Beispiel für einen Konflikt ist auch nicht gerade berauschend:

Leider ziehen giftige Rauchschwaden von Hank Reardens Stahlwerk über das Land von Billyjoe Bobton und die Abwässer verseuchen das Grundwasser, wodurch dessen ganze Ernte zerstört wird. Schon haben wir einen eindeutigen Interessenkonflikt, obwohl beide Personen eigentlich nur ungestört ihrer Profession nachgehen wollen und keinerlei direkte Ansprüche an den anderen erheben. Wie löst man dies, ohne dass dabei Zwang auf einen der Beteiligten ausgeübt wird?

Erstmal ist eine Umweltverschmutzung mit solch gravierenden Folgen natürlich eine Schädigung des Eigentümers des verschmutzten Landes, welches natürlich einen Schadensersatz erforderlich macht. Ansonsten, wie kommt man darauf, dass bei der Durchsetzung von Eigentumsrechten kein Zwang angewendet würde?

Florian fragt nach, „wie der wirtschaftlich ruinierte Kleinbauer seine berechtigte Forderung gegen einen übermächtigen Gegner durchsetzen will“. Nun, er verkauft die Forderung an eine auf das Eintreiben spezialisierte Firma. Der Einwand „Der reiche Industrielle kann zahlreiche Gutachter und Anwälte mobilisieren um nachzuweisen, dass er nicht an den schlechten Ernten des Bauern schuld ist.“ ist typisch für das staatliche Rechtssystem. Ob dies in einem auf dem freien Markt entstehenden Rechtssystem so viel bringt wie heute ist zumindest offen. Aber, egal, der Verkauf einklagbarer Rechte ist eine recht einfache Marktlösung des Problems.

Das Nachhaltigkeits-Argument

Allerdings ist es so, dass das langfristige Überleben der Menschheit durchaus in Konflikt mit kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen geraten kann.

Schon richtig. Nur sind die wirtschaftlichen Interessen in einer Gesellschaft mit sicherem Privateigentum langfristige Interessen. Es dient einem ein Leben lang. Und, wenn man Familie hat, und ein Erbrecht statt einer Enteignung der Toten zu Staatsgunsten, darüber hinaus.

Im Gegensatz dazu sind die wirtschaftlichen Interessen von demokratischen Regierungen kurzfristig – sie beschränken sich normalerweise auf eine Wahlperiode – oder, genauer, das was zum konkreten Zeitpunkt davon noch übrig ist, während das, was danach kommt, aufgrund der Unvorhersagbarkeit des Wahlergebnisses eher zweitrangig ist.

Es ist wirtschaftlich gesehen günstiger, giftigen Abfall einfach in die Landschaft zu kippen.

Was nur dann ein Problem ist, wenn diese „Landschaft“ niemandem gehört. Ein Eigentümer dieser Landschaft hat sehr wohl etwas dagegen. Es ist also nach libertärer Theorie ein klassisches Problem öffentlicher Güter, fehlender Eigentumsrechte.

Florian wendet ein: „Wenn Sie sich die Verhältnisse in sogenannten „Ländern der Dritten Welt“ und Schwellenländern ansehen, dann stellen Sie schnell fest, dass eben genau dort, wo kein staatliches Eingreifen stattfindet, die größten Umweltsauereien passieren.“ Nun, die anarchokapitalistische Lösung heißt ja Privateigentum an den fraglichen Resourcen. Das gibt es dort, wo die Umweltsauereien passieren, eben meist nicht. Entweder die Sauerei passiert auf staatlichem Eigentum, oder in Gebieten, die zumindest offiziell niemandem gehören, und die, die dort doch leben und geschädigt werden, haben ja in Staaten normalerweise kein Recht auf Waffen, um ihr Eigentum zu verteidigen. Die anarchokapitalistische Lösung wird also faktisch verhindert.

Ein weiteres Argument ist folgende Konstruktion:

Nehmen wir an, ich habe ein Stück Land. Wenn ich nun die Wahl habe, das Land entweder nachhaltig zu bewirtschaften, dass es mich ernährt oder aber es kurzfristig auszubeuten, dass es erheblich mehr Ertrag erzielt und ich mit den erzielten Überschüssen weitere Investitionen tätigen kann, welche Entscheidung wäre dann rein ökonomisch betrachtet sinnvoll?
Darauf gibt es eine klare Antwort:
Wenn ich durch die Ausbeutung des Landes so viel verdiene, dass ich mir von dem Erlös mehr Land kaufen kann, als ich durch mein Verhalten unbrauchbar gemacht habe, dann ist mir (zumindest ökonomisch gesehen) scheißegal, ob ich das Land damit für die nächsten 1000 Generationen verseuche.

Das ist, wenn man es genau besieht, allerdings nur eine Variante des Problems fehlenden Eigentums. Wo Eigentum fehlt, wie bei den Fischen im Ozean, oder bei Brandrodung, oder beim Abholzen von Wäldern, wenn die Holzfäller einfach nur weiterziehen müssen, wo also das nächste Stück kostenlos ist, haben wir ja nur einen speziellen Fall davon, dass das nächste Stück so billig ist, dass es weniger wert ist als das, was ich durch Raubbau dort rausholen kann.

Ok, ich lasse mir hier gerne vorwerfen, dieses Problem zu unterschätzen – im Gegensatz zur Situation ohne Eigentum gibt es ja hier einen Mechanismus, der garantiert, dass das Problem sich nicht zur Katastrophe auswächst – steigende Preise. Da sind dann doch die Situationen, in denen Eigentum schwer überhaupt zu definieren ist, wie Fische im Ozean oder Luft, deutlich problematischer:

Nicht alle Dinge, die einerseits lebenswichtig und andererseits verschmutzbar sind, lassen sich privatisieren. Was ist beispielsweise mit Luft?

Ja, es gibt solche Probleme. Allerdings sind Luftverschmutzung und viele andere ähnliche Problem doch lokale Probleme, so dass sie sich mit Methoden des Privateigentum durchaus regeln lassen.

Florian wendet ein, dass beispielsweise der saure Regen und die radioaktive Wolke von Tschernobyl keine lokalen Probleme seien – ok. Jemand anders führte das Ozonloch an. Ja, es gibt auch globale Umweltprobleme – und im Prinzip könnte man argumentieren, dass solche am besten von einer Weltregierung gelöst werden können. Aber, tut mir leid – daran, dass eine Weltregierung dies tun würde, glaube ich nicht. Nicht einmal daran, dass sie in der Lage wäre, ein konkretes globales Umweltproblem besser zu lösen als der Markt, glaube ich – und das obwohl das, was der Markt liefert, gerade bei einem globalen Umweltproblem sicher nicht optimal ist. Selbst in diesem Fall wäre die Versuchung für Politiker, das Problem für eine Ausweitung eigener Macht zu missbrauchen, und das in einer Form, die den Schaden durch das Marktproblem weit übertrifft, viel zu groß.

Die libertäre Position ist im Fall die der Bevorzugung des kleinsten Übels. Und das liefert auch im Fall von globalen Umweltproblemen der freie Markt. Die Utopie ist leider keine Option – und Utopie ist es, zu erwarten, dass Staaten für solche Probleme bessere Lösungen bieten.

Florian wendet ein: „Betrachten Sie sich doch nur einmal die Entwicklung der Wasserqualität des Rheins in den letzten 40 Jahren.
Meinen Sie, diese Veränderungen wären möglich gewesen, wenn es keine Gesetze gäbe, die einen bestimmten Umgang mit Abwässern vorschreiben?“ Ich denke, sie wären möglich, wenn es entsprechendes Eigentum an Gewässern geben würde. Sicher, Eigentum bei Flüssen ist etwas sehr kompliziertes, im Vergleich zu anderem Eigentum, weil halt Verschmutzung an der Quelle einfach weiterfließt und andere schädigt.

Trotzdem, so unmöglich ist das heute nicht. Verschiedenste Organisationen könnten verschiedene Flußabschnitte besitzen, an den Grenzen würde gemessen, was durchfließt, und man müsste für das, was aus dem eigenen Abschnitt an Schmutz rausfließt, zahlen, würde aber für das, was an Schmutz reinfließt, bezahlt bekommen.

Was wäre beispielsweise, wenn der Eigentümer der örtlichen Trinkwasserreserven beschließt, eine bestimmte Menschengruppe ganz vom Zugang zu diesem Wasser auszuschließen?

Dann würde diese Gruppe Wasser von woanders einkaufen. Sicher etwas teurer, aber nicht viel teurer – schließlich gibt es ja für viele andere Gruppen die Option, das Wasser von den Eigentümern zu kaufen und der ausgeschlossenen Gruppe für einen kleinen Gewinn zu verkaufen. Ganz anders sieht es aus, wenn ein Staat bestimmt, dass einer bestimmte Gruppe kein Wasser verkauft werden darf. Staatliche Regulierung ist also deutlich gefährlicher für die Betroffenen als ein freier Markt.

Florian findet das zynisch, und wendet ein: „Erklären Sie das einmal den Menschen in Indien, deren Wasser von der Coca Cola Company abgezogen wird und die deshalb unter massivster Dürre leiden.“ Ein klassischer Fall, in dem die bisherigen Nutzer des Wassers kein staatlich anerkanntes Eigentumsrecht hatten – und auch keine eigenen Waffen, um ihre Besitzrechte selbst zu verteidigen. Denn das Problem ist in diesem Fall ja nicht Coca Colas Privatarmee, sondern die Armee, die hinter dem indischen Staat steht. Da amüsiert es mich nur, wenn ich dann lese: „Und in solchen Fällen kann, so denke ich, ausbeuterisches Verhalten von starken Marktakteuren gegenüber schwächeren Marktakteuren nur auf dem Weg staatlichen Einschreitens eingedämmt werden.“ Der indische Staat schreitet hier komischerweise auf Seiten des starken Marktakteurs ein. Was ja nicht verwunderlich ist, denn der hat ja mehr Geld zum Bestechen.

Das Argument der ungleichen Startvoraussetzung

So lange Eigentum aber vererbbar bleibt, setzt sich eine Eigentumsakkumulation theoretisch unbegrenzt fort, wenn dieses Eigentum nicht durch falsches Wirtschaften umverteilt wird.

Ist das etwa etwas Böses? Sicherlich für Neidhammel. Ansonsten ist es ja das Erbrecht genau der Punkt, der die Nachhaltigkeit des freien Marktes positiv beeinflusst – mein Eigentum dient mir nicht nur während meines Lebens, sondern ich kann auch, soweit möglich, darüber hinaus darüber verfügen.

Florian befürchtet jedoch: „Da die Welt aber begrenzte Ressourcen hat, führt die dazu, dass sich bei Verdichtung der Ressourcen auf einzelne Akteure, weniger für die anderen bleibt.“ Ich zweifle allerdings an solcher Verdichtung. Erben tendieren normalerweise eher dazu, den ererbten Reichtum zu vergeuden. Florian setzt noch eine weitere Befürchtung hinzu: „Wenn es sich hierbei nämlich um vitale Ressourcen handelt versetzt das deren Eigentümer in die Lage, alle zu erpressen, die diese Ressourcen benötigen und selbst kein Eigentum an diesen Ressourcen haben.“ Das betrifft doch nur Monopole, und Monopole an vitalen Ressourcen gibt es gar nicht. Vielleicht mal von Spielbeispielen von Oasen in Wüsten abgesehen.

Dies aber führt das libertäre Diktum, jeder sei für seine persönliche Lage selbst verantwortlich, ad absurdum.

Solch ein Diktum kenne ich nicht. Jeder sollte für die Folgen seiner Entscheidungen selbst verantwortlich sein. Das ist aber etwas völlig anderes.

Eine libertäre Gesellschaft, die keine anderen Verteilungsmechanismen als den freien Markt kennt, führt nur für jene zu fairen Chancen, deren Eltern es sich leisten können, entsprechende Startvoraussetzungen zu ermöglichen.

Wieso kennt sie keine anderen? Sie schließt lediglich gewaltsame Umverteilung aus. Niemandem ist es hingegen verboten, anderen zu helfen, aus welchen Gründen und in welcher Form auch immer. Man darf auch fremden Kindern helfen (zumindest wenn dies keine Missbrauchshysterie verhindert).

Da bereits ein überwiegender Teil der Ressourcen in Privathand ist, ist es nicht mehr möglich einfach gen Westen zu ziehen, sich dort einen Claim abzustecken und dort nach Gold zu schürfen.

Ja und? Es gibt genug Dienstleistungen, die man anbieten kann, und dazu braucht man kein Landbesitz.

Hinzu kommt, dass, wie viele Wirtschaftstheoretiker erkannt haben, ein freier Markt langfristig und zwangsläufig zu einer Monopolbildung führt.

Ach? Ohne die künstlichen Monopole durch Copyright und Patentrecht? Ohne die durch staatliche Anforderungen hervorgerufene Bürokratie, die vor allem kleine Firmen belastet? Ohne das riesige und unütze Regulierungssystem, durch das kleine Unternehmer ohne riesige Rechtsabteilung immer mit einem Bein im Gefängnis stehen? Ohne den „Verbraucherschutz“ genannten Schutz etablierter Firmen vor Konkurrenz? Ohne die Steuerbegünstigung für das Wachsen, weil reinvestierte Profite im Gegensatz zu ausbezahlten nicht besteuert werden? Nein, Monopole können vielleicht theoretisch auch auf einem freien Markt entstehen, aber reale Monopole entstehen vor allem durch staatliche Förderung.

Florian zweifelt: „Denn Sie können auf bestimmten Märkten aufgrund der hohen technischen Zugangsschranken als kleinerer Akteur selbst gar nicht auf den Markt treten. Warum sollten die auf diesem Markt vorhandenen und bereits großen Akteure ihre Macht nicht nutzen, um neue Konkurrenten systematisch zu bekämpfen?“
Ganz einfach, weil man dazu auf einem wirklich freien Markt kaum Möglichkeiten hat. Das ist heute ganz anders, da wendet man sich an die Regierung und bettelt um eine Regulierungsvorschrift, die die Waren der Konkurrenz verbietet. So wie Glühlampen. Geht auf dem freien Markt nicht. Und, nein, ich glaube nicht daran, dass Kartellämter auch nur irgendwas gegen Kartelle tun.


4 Antworten auf „Argumente gegen den Libertarismus“


  1. 1 Florian K. 25. September 2012 um 1:37 Uhr

    Eine ausführliche Antwort habe ich bei uns in der FGZ hochgestellt.

    http://kwassl.net/2012/06/19/libertarismus-bei-ayn-rand-und-ron-paul-gegenargumente/

  2. 2 earendil 04. Oktober 2012 um 13:28 Uhr

    Aus einer Mischung von Unterhaltungsinteresse und Masochismus hab ich mir das jetzt mal durchgelesen. Heidewitzka. Wird diese albernste Variante kleinbürgerlicher Ideologie denn nie aussterben? Wahrscheinlich nicht, solange es noch Kapitalismus gibt…

    Ein paar Highlights will ich mal kommentieren:

    Nur sind die wirtschaftlichen Interessen in einer Gesellschaft mit sicherem Privateigentum langfristige Interessen. Es dient einem ein Leben lang.

    Wie kommst du denn darauf? Charakteristikum des Kapitalismus ist doch gerade, dass es kein „sicheres Privateigentum“ gibt. Also sicher vor Diebstahl etc., das schon – eine funktionierende Staatsgewalt vorausgesetzt, hehe. Aber nicht sicher vor der Entwertung in der Konkurrenz. „Sicheres Eigentum“ würde ja wirtschaftlichen Stillstand bedeuten. Der Zwang zur Wertverwertung bedingt ja häufig, dass der Eigentümer kurzfristige Interessen verfolgen muss. Sonst tut das nämlich die Konkurrenz, und unser langfristig denkender Eigentümer ist insolvent. Wenn du nicht ständig den kurzfristigen Interessen deines Kapitals hinterherjagst, nützt dir dein ererbter Familienbetrieb im Alter höchstens noch als Industriemuseum.

    Ja, theoretisch gibt es auch globale Umweltprobleme

    Theoretisch? Bedauerlicherweise gibt es Klimawandel, Artensterben und einige weitere Probleme auch praktisch. Die weitere Ausdünnung der Ozonschicht durch FCKW wurde bekanntlich erst durch staatliches Eingreifen gestoppt. Was auch nur möglich war, weil das vergleichsweise einfach ging und keine großen nationalökonomischen Profiteinbußen nach sich zog. „Der Markt“ hätte das aber nie hingekriegt, denn warum sollte ein Sprühdosen- oder Kühlschrankhersteller aus Europa Interesse für die Ozonschicht über der Antarktis entwickeln?

    Die Staaten sehen bei der Bewältigung von Umweltproblemen ziemlich schlecht aus, das stimmt. Was daran liegt, dass sie als „ideelle Gesamtkapitalisten“ die Profitinteressen ihrer Volkswirtschaften vertreten. Die Einzelkapitale kriegen da aber erst recht nichts gebacken, weil ihre Partikularinteressen notwendigerweise noch viel beschränkter sind. Noch nicht mal im Kleinen würde das funktionieren:

    Es ist wirtschaftlich gesehen günstiger, giftigen Abfall einfach in die Landschaft zu kippen.
    -
    Was nur dann ein Problem ist, wenn diese „Landschaft“ niemandem gehört. Ein Eigentümer dieser Landschaft hat sehr wohl etwas dagegen.

    Ok. Nehmen wir mal an, die Donau wäre Privateigentum. Warum sollte der Eigentümer etwas gegen deren Verschmutzung haben? Als Trinkwasserreservoir ist so ein Fluss eh unbrauchbar, der ist ökonomisch primär als Verkehrstrasse interessant. Wenn einem die Transportschiffe schon Maut bezahlen, kann man doch so kulant sein und ihnen auch noch gestatten, ein bisschen Altöl abzulassen. Oder dafür extra Gebühren verlangen. Gut, vielleicht könnte man bei einem sauberen Fluss noch ein wenig Fischerei betreiben und Badegästen was abknöpfen, aber ob das die Einnahmen aus der Müllentsorgung übersteigen würde, ist doch eher zweifelhaft.
    Und an Auwäldern, die einer Flussbegradigung im Wege sind, hätte so ein Eigentümer erst recht kein Interesse.

    Dann würde diese Gruppe Wasser von woanders einkaufen.

    Weia. Und wenn sich die Versorgung halt nicht lohnt, für niemanden? Von wem soll man dann Wasser kaufen?

    Wenn ich mich recht entsinne, war einer der Hintergründe bei der Zerschlagung des Yukos-Konzerns, dass dieser plante, ganze Regionen Sibiriens von der Stromversorgung abzuklemmen, weil das nicht mehr rentabel war. Von wem hätten die Leute denn dann Strom bezogen?

    Ist das etwa etwas Böses? Sicherlich für Neidhammel.

    Ausgerechnet ein radikaler Kapitalismus-Fan hat was gegen Neid? Wie das denn?

    mein Eigentum dient mir nicht nur während meines Lebens, sondern ich kann auch, soweit möglich, darüber hinaus darüber verfügen.

    Jaja, der Traum von der Ewigkeit der eigenen Macht. In solchen Momenten denke ich mir: Tod und Vergänglichkeit haben auch etwas beruhigendes. Und ich denke an Lukas 12,16-21.

    Sie schließt lediglich gewaltsame Umverteilung aus.

    Du Honk, Eigentum IST gewaltsame Umverteilung! Eigentum bedeutet den gewaltsamen Ausschluss von Menschen von ihren Lebensgrundlagen (Produktions- wie Verbrauchsmittel) bzw. ihre Unterwerfung unter die Interessen des Eigentümers; Eigentum entsteht durch Gewalt (->“ursprüngliche Akkumulation“) und muss durch Gewalt aufrecht erhalten werden (Polizei, Justiz). Und durch die Abschöpfung des Mehrwerts durch den Kapitalisten sowie die ständige Ver- und Entwertung von Kapital bedeutet es auch ständige Umverteilung.

    Deshalb finde ich ja schon das Wort „Anarchokapitalismus“ zum brüllen. Was soll das sein? Ein anarchistisches Herrschaftssystem? Eine anarchische Klassengesellschaft?

    Ein bisschen schwant dir ja schon selber, dass Eigentum gewaltförmig ist:

    Ansonsten, wie kommt man darauf, dass bei der Durchsetzung von Eigentumsrechten kein Zwang angewendet würde?

    Was mich zu der Frage führt, wer denn diesen Zwang ausführen soll, wenn die Staatsgewalt wegfällt. Private Rackets? Oder bleibt in deiner Utopie wenigstens noch ein Nachtwächterstaat übrig?

    Niemandem ist es hingegen verboten, anderen zu helfen, aus welchen Gründen und in welcher Form auch immer.

    Almosen bleiben also erlaubt. Wie gnädig. Aber kommt aus liberaler und libertärer Ecke nicht immer das Argument, Almosen führen zu Abhängigkeit und seien deshalb schlecht?

    So, und da ich hier jetzt sowieso schon viel zu viel geschrieben habe, verweise ich bezüglich der Monopole einfach auf diese Diskussion hier, da habe ich meinen Senf dazu schon mal formuliert.

  3. 3 Gandalf 13. Oktober 2012 um 1:06 Uhr

    Du Honk, Eigentum IST gewaltsame Umverteilung! Eigentum bedeutet den gewaltsamen Ausschluss von Menschen von ihren Lebensgrundlagen (Produktions- wie Verbrauchsmittel) bzw. ihre Unterwerfung unter die Interessen des Eigentümers; Eigentum entsteht durch Gewalt (->“ursprüngliche Akkumulation“) und muss durch Gewalt aufrecht erhalten werden (Polizei, Justiz).

    Es lohnt sich kaum auf den gesammelten Schwachfug einzugehen, den Du offenbar aus Frust darüber ablässt, dass man Deine intellektuellen Fähigkeiten wo anders nicht anerkennen mag

    Nur soviel dazu: Weder habe ich das Eigentum an meinen Körper, noch die Sachen die ich mit diesem produziert habe, „gewaltsam“ erlangt.

    Wie intellektuell verquer Dein Popanz gestrickt ist, kann man z.B. auch daran erkennen, das es unzählige Beispiele gibt, wo eben das Eigentum nicht zum gewaltsamen Ausschluss von Menschen von ihren Lebensgrundlagen auf Grund des Eigentumes kommt, wo es Leichtes wäre. Z.B. in Wüstenoasen.

    Deine Gewaltphantasien beschreiben exakt die Vorgehensweise von kollektivistischen Ideologien, in denen die Eigentumsrechte der Schwachen (und nur für diese Gruppe sind sie wichtig) nichts zählen. Denn die Despoten (und Dummschwätzer), die z.B. sozialistische Ideologien möglich machen, brauchen ja selbst keine Eigentumsrechte, da sie sich nach belieben alles nehmen können und sich ihre intellektuelle Rechtfertigung selbst dazu stricken und einen Moralkodex um das auch noch zu glorifizieren

    (und nur darum scheint es Dir zu gehen)

  1. 1 Sammelsurium « Libertäre Gedanken Pingback am 05. Oktober 2012 um 0:23 Uhr
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