Archiv für März 2013

Was Zypern so lehrt

Was man so liest:

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem erschreckte indessen Investoren mit der Äußerung, die Belastung zyprischer Bankkunden könne als Vorbild für andere Euro-Krisenstaaten dienen. So jedenfalls zitierte die »Financial Times« den Niederländer. Dijsselbloem wurde daraufhin von vielen Seiten kritisiert, weil eine solche Ankündigung die Kapitalflucht aus Krisenstaaten nur beschleunigen kann. Der Gescholtene distanzierte sich flugs von seiner Äußerung und nannte Zypern einen »besonderen Fall mit einmaligen Herausforderungen«.

schreibt das ND. Die Süddeutsche schrieb:

Dijsselbloem hatte der Nachrichtenagentur Reuters und der Financial Times ein Interview gegeben. Darin bezeichnete er das Rettungspaket für Zypern als „Vorlage“ für den Umgang mit drohenden Bankenpleiten der Zukunft.

, belegt mit einem peinlichen „Page not found“-Link zu Reuters.

Interessant ist dabei nicht so sehr, ob die Zypern-Raub von Spareinlagen tatsächlich auch als Vorlage dienen wird oder nicht, auch nicht dass der Gescholtene sich ganz schnell von seinen eigenen Worten distanzierte – allein schon weswegen er kritisiert wurde ist das eigentlich Perverse:

Nein, er wird nicht kritisiert weil er die Unwahrheit gesagt hätte. Als „Lehrstück politischer Inkompetenz“ bezeichnet es die Süddeutsche. Auch nicht weil er den Bankkunden falsche Tipps gegeben hätte. Sondern weil seine Äußerung dazu führen könnte, dass die Bankkunden die für sie richtige Entscheidung schneller treffen könnten, weil das eben zu einer Kapitalflucht führen könnte.

Tja, Bankkunden darf man natürlich nicht vorwarnen, wenn man sie ausrauben will. Und die Wahrheit zu sagen ist halt politische Inkompetenz.

Interessant auch die Veränderung der Größenordnungen: Da ging es doch erstmal um sowas um 6% herum für unter 100000€, und 10% für größere. Daraus wurde dann 0% für kleinere und 40% für größere. Man vergleiche mal mit dem Bild was die Medien so malen: Da hätte man doch eher erwartet, dass das meiste Geld die Milliarden steuerflüchtiger Russen sind, während die armen Zyprer bloß ein paar Spargroschen haben, von denen 6% zu nehmen ja eigentlich nicht so viel bringen könnte – irgendwelche Peanuts, die die großen Konten der bösen Milliardäre leicht verkraften könnten, halt 12% oder wenns hochkommt 15% statt der 10%. Und nun, ups, gleich 40%? Waren wohl doch nicht so viele Milliardenkonten zum Plündern da?

Und so kann man sich, nebenbei, hinterher ausrechnen wie viel die 6% für die kleineren Konten einbringen sollten, nämlich das was jetzt die 30% von den großen Konten bringen, also drei mal so viel wie man von den großen Konten holen wollte.

Bargeld ist wichtig

Die Lehre aus Zypern: Bargeld ist wichtig. Man sollte doch besser größere Mengen an Bargeld zu Hause haben, schließlich kann man nie wissen, ob und wann die Banken mal wieder für ein paar Wochen zumachen.

Und man sollte alles tun, damit Versuche, das Bargeld abzuschaffen und einzuschränken, keine Chance haben. Dazu gehört, im Alltag auf jeden Fall bar zu bezahlen.

Langfristig wird dies zwar doch nicht erfolgreich sein – aber langfristig wird man sich sowieso ins Darknet begeben müssen, um sein Leben außerhalb staatlicher Überwachung zu organisieren. Schon heute steht ja bitcoin als Alternative bereit.