Archiv für Mai 2013

Was tun gegen staatlichen Raub? Bitcoins?

Als neugieriger Mensch, der gerne bereit ist, Neues auszuprobieren, hatte ich auch mal einen Account bei Libertyreserve.com angelegt. Alles völlig legal. Ich habe dazu einen Testaccount bei https://banking.ecardone.com/ anlegen müssen, mit meinen ganz normalen Passdaten, es war eine ganz offene und legale Überweisung dorthin von meinem ganz normalen Konto aus nötig. Und dann habe ich versucht, auf Libertyreserve.com ein paar Libertyreserve-Dollars einzukaufen. Ging problemlos. Genutzt habe ich sie nicht. Es ergab sich nichts. Ein paar LR-Dollars zu haben, falls sich mal was ergibt, schien mir jedoch recht sinnvoll.

Inzwischen sind diese Dollars geraubt worden. Eine kriminelle Bande hat die in Costa Rica beheimatete Firma Libertyreserve.com überfallen, die Firmeninhaber entführt und ihre Konten ausgeraubt. Diese kriminelle Bande ist bekannt unter dem Namen Vereinigte Staaten von Amerika.

Gut, ich kann den finanziellen Verlust verschmerzen, es war eh nur als ein Test für die Funktionsfähigkeit von Libertyreserve.com gedacht. Dieser Test ist halt negativ ausgefallen – und dies nicht, weil die Firma Libertyreserve.com selbst nicht vertrauenswürdig gewesen wäre – das waren sie. Sondern weil diese Firma als solche zu einfach angreifbar war. Sie war zu leicht von den kriminellen Organisationen, die als Staaten bekannt sind, auszurauben.

Raub ist es jedenfalls. Denn ich wurde nicht angeklagt, irgendein Gesetz der USA übertreten zu haben. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich, als Nicht-Bürger der USA, der nicht weiter getan hat, als ein Konto auf einer Firma in Costa Rica zu eröffnen, und ein paar Dollars dort einzuzahlen, damit irgendein Gesetz der USA verletzt haben könnte. Trotzdem ist mein Geld jetzt offenbar im Besitz der USA, und die hat scheinbar nicht vor, mir dieses Geld wiederzugeben.

Die paar Dollar selbst sind geschenkt. Viel zu wenig, dass es sich auch nur lohnen würde, einen Anwalt zu beauftragen, das Geld irgendwie wieder herauszuklagen, oder irgendwie Zeit zu verschwenden, das selbst zu versuchen. Es war eh nur ein Test, das Geld hätte auch in den Taschen von Internetbetrügern enden können. Nun, in der Hand von Verbrechern ist es jetzt in der Tat auch.

Aber auch die kleinste Betrügerfirma muss damit leben, dass ich, wenn ich von ihr betrogen oder ausgeraubt werde, diesen Raub im Internet öffentlich mache. Was ich hiermit tue. Ich wurde ausgeraubt, und die kriminelle Organsation, die mich ausgeraubt hat, ist mir sogar namentlich bekannt: Es sind die Vereinigten Staaten von Amerika.

Diese Verbrecherbande hat mich einfach nur ausgeraubt. Sie haben mir mein Geld einfach nur weggenommen. Sie sind militärisch sicherlich stark genug, um dies, ohne irgendwelchen militärischen Widerstand meinerseits befürchten zu müssen, auch zu können. Klar, in der Welt herrscht heute das Recht des Stärkeren. Die stärkste verbrecherische Organsation sind heute die USA. Denen gehen beliebige Verbrechen durch: Morde im Drohnenkrieg – denn, da der Drohnenkrieg weder in Pakistan noch in Jemen ein offiziell erklärter Krieg ist, gelten nicht einmal die Entschuldigungen, die sich Staaten normalerweise für das Morden in Kriegen gegenseitig zugestehen, es sind einfach nur Morde. Und nun auch Raub – auch dieser nichtmal durch US-Gesetze legitimiert, da hier das Geld deutscher Bürger in einer Firma in Costa Rica geraubt wurde.

Rechtsstaatlichkeit ist eine Idee von gestern, die USA von heute nimmt auf so etwas keine Rücksicht mehr. Diese kriminelle Organisation ist zu machtvoll, sie legt auf Ausreden gar keinen Wert mehr.

Das Einzige, was man tun kann, ist, die Verbrecher öffentlich anzuklagen. Und zu überlegen, auf welche Art und Weise man sich in Zukuft besser vor dieser verbrecherischen Organisation schützen kann.

Was gefährlich ist,

ist offenbar, Firmen zu vertrauen, die versuchen, legal elektronische Währungen anzubieten. Libertyreserve.com ist damit gescheitert. Und sie sind nicht die ersten damit. Alles Geld, welches in legalen, den Behörden bekannten Banken liegt, kann jederzeit vom Staat geraubt werden, wie es in Zypern vorgemacht wurde und nun auch mit Libertyreserve.com.

Auch Bargeld wird immer gefährlicher. Heute besteht beispielsweise in den USA schon für jeden, der eine größere Menge Bargeld mit sich führt, die Gefahr, dass Polizisten, die das zufällig bei einer Verkehrskontrolle entdecken, das Geld einfach beschlagnahmen. Mit viel Glück und hohen Anwaltskosten kann man es sich vielleicht nochmal zurückerkämpfen. Das ist so in etwa das, was vom Rechtsstaat heute noch übrig ist. Im Zuge des Kampfes gegen die Geldwäsche wird Bargeld auch in Europa bekämpft. Das Ideal ist offensichtlich eine Welt, in der jede Zahlung vom Staat kontrollierbar ist.

Was geht?

Was ist aber nun die Alternative? Wie kann man verhindern, dass kriminelle, selbst nach ihren eigenen Gesetzen verbrecherische Staaten die Bürger ausplündern wie in Zypern oder bei libertyreserve.com?

Die augenblicklich wohl bekannteste und auch von mir favorisierte Alternative heißt bitcoin. Bitcoin hat erhebliche Vorteile gegenüber dem Konzept von libertyreserve.com: Bitcoin ist zuallererst mal keine Firma, die irgendwo ihren Sitz und Konten hat, die die Polizei stürmen und beschlagnahmen könnte. Man kann seine Bitcoins auf das eigene Konto zu Hause transferrieren. Und dort ist es sicher, solange der Computer selbst, beispielsweise durch Verschlüsselung, entsprechend gesichert ist. Außerdem gibt es auch keine bitcoin-Zentralbank, die bitcoins einfach so nach Lust und Laune drucken könnte. Libertyreserve hätte hingegen ohne große Probleme falsche Liberty-Dollars fabrizieren können. Niemand hätte sowas überprüfen können. Nicht so bei bitcoins, da ist alles offen und die Menge der bitcoins ist bekannt, sie wird nie mehr als 21 Mio bitcoins sein.

Nun gibt es natürlich auch, genau wie im Fall von libertyreserve.com, ganz legale Firmen, die für bitcoin wichtige Sachen tun, wie beispielsweise Wechselstuben. Solche Wechselstuben können, da sie nun einmal den Behörden bekannt sind, jederzeit ohne Grund von der Polizei gestürmt und ausgeraubt werden.

Das Risiko ist hierbei jedoch sehr viel geringer. Denn die Wechselstube braucht man eben nur zum Wechseln. Wenn man zufällig in der Wechselstube ist, wenn die von der Polizei überfallen wird, wird man natürlich mit ausgeraubt. Aber wenn man nach dem Wechseln die eingewechselten bitcoins auf sein eigenes Konto runtergeholt hat, kann es einem egal sein, ob die Polizei die Wechselstube stürmt. Seine bitcoins hat man ja zu Hause auf seinem Computer.

Und daher ist es zumindest sehr viel schwieriger für kriminelle Staaten, uns das Geld zu rauben.

Langfristigkeit in der Netzwerkgesellschaft

Hoppes Buch „Demokratie, der Gott der keiner war“ enthält eine gute Analyse wieso Demokratie zu einer „Erhöhung der Zeitpräferenz“ führt (oder wie immer das auf deutsch übersetzt wurde – ich lese die englische Version). Eine wissenschaftliche Phrase, die beim naiven Leser etwas in die Irre führen könnte, schließlich assoziiert „Erhöhung“ ja erstmal was Gutes, und wenn das nicht gerade durch offensichtlich Negatives wie „Kriminalitätsrate“ ergänzt wird, weiß man erstmal nicht genau ob das nun gut oder schlecht ist. Es ist etwas Schlechtes, und ich nenne das jetzt hier mal „Verringerung des langfristigen Planens“.

Der Demokrat denkt kurzfristig, als Politiker, weil er nicht sicher sein kann, dass er in vier Jahren noch was zu sagen hat, sind ihm nur kurzfristige Scheinerfolge wichtig, nach ihm die Sintflut. Aber auch der einfache Bürger denkt in einer Demokratie zunehmend kurzfristiger. Einmal weil das, was er langfristig schaffen und erhalten kann – sein Eigentum – in Demokratien sehr unsicher ist – es wird besteuert und entwertet, und dies zunehmend. Andererseits weil die sozialen Sicherungssysteme ihn sogar gegen seinen Willen absichern, so dass er sich kaum Gedanken machen muss. Wenn alles danebengeht, lebt man eben von Hartz IV, was solls.

Soweit Hoppe. Nun das, was mich bewogen hat, diesen Artikel zu schreiben: Die Netzwerkgesellschaft hat genau den entgegengesetzten Effekt für ihre Mitglieder.

Dabei gibt es mehrere Aspekte. Der zentrale Wert in der Netzwerkgesellschaft ist die eigene Reputation für die Einhaltung des eigenen Wortes. Reputation ist ein recht spezieller Wert. Man kann sie kurz und schnell kaputtmachen, für immer, wenn man das eigene Wort bricht. Das gibt einen sofortigen Gewinn, und dann, in der Zukunft, einen andauernden Nachteil. So etwas tut man, wenn man kurzfristig plant. Wer langfristig denkt, wird dies nicht tun. Was wichtig ist: Die Reputation ist ein Wert, den niemand anders zerstören, enteignen oder besteuern kann. Genauer gesagt, es gibt zwar Methoden zur Zerstörung wie eine Verleumdungskampagne, oder zur Nutzung fremder Reputation über Bürgschaften durch Erpressung. Beide dürften aber in einem pseudonymen Reputationssystem mit fälschungssicherer schwarzer Liste kaum systemrelevant sein. Wer sich also am Reputationssystem beteiligt, kann sich langfristige Werte erschaffen. Was zweierlei bedeutet: Die Beteiligten schaffen sich unbesteuerbare eigene Werte, und erlangen dadurch einen Vorteil.

Und dieser Vorteil ist besonders für diejenigen interessant, die langfristig denken. Damit wird die Teilnahme am Reputationssystem zu einer Positivauswahl aus der Bevölkerung.

Diese Positivauswahl wird noch verstärkt durch andere Aspekte: Die Bereitschaft, sich in einem solchen neuen Projekt zu engagieren, setzt auch so langfristiges Denken voraus. Denn die Vorteile der Netzwerkgesellschaft wachsen mit der Zeit – einmal mit der Zahl der Teilnahme, dann natürlich mit der dabei mit der erst entstehenden, mit der Zeit dann auch wachsenden Reputation der Teilnehmer, vor allem aber mit den dabei mit der Zeit entstehenden Strukturen. Faire Schiedsrichter fallen ja nicht vom Himmel, sie müssen sich finden und selbst eine Reputation aufbauen, bevor sie anderen Mitgliedern zur Verfügung stehen. Die ersten Mitglieder werden daher (neben ein paar Betrügern, die schnell wieder verschwinden) Menschen sein, die langfristig denken, und dadurch fähig sind, die langfristigen Vorteile des Aufbaus einer solchen Struktur zu erkennen.

Außerdem gibt es noch ein paar andere Fähigkeiten, die erforderlich sind, um sich als frühes Mitglied einer solchen Struktur zu erweisen: Man sollte dazu fähig sein, die Verlogenheit der demokratischen Propagandamaschine zu erkennen. Sehr wichtig dafür ist, dass man früh Interesse an alternativen Informationsquellen zeigt. Die finden sich ja nicht am Zeitungsstand, sondern im Internet, und dort auch nicht gerade auf den populärsten Seiten, sondern auf eher versteckteren. Wer brav den Mainstreammedien glaubt, wird kaum auf die Seiten finden, wo sich die Netzwerkgesellschaft organisiert. Es werden also eher die Klügeren sein, die sich dort sammeln.

Das Ergebnis ist natürlich voraussagbar: Wo sich die Klügeren und langfristiger Denkenden sammeln, wird sich langfristig auch der Erfolg sammeln.

Und dann gibt es ja noch bitcoins

Schon heute steht mit bitcoins außerdem noch eine langfristige Möglichkeit des Sparens zur Verfügung, die weder durch Steuern noch Inflation bedroht ist. Sicher ist das heute noch hochspekulativ, mit starken spekulativen Preisschwankungen, aber ein paar bitcoins langfristig zu investieren schadet kaum. Zumindest langfristig denkenden Menschen sollte es das kurzfristige spekulative Risiko wert sein, in den augenblicklich besten Kandidaten für eine Währung der Netzgesellschaft zu investieren. Denn die größte Gefahr wäre eine noch bessere elektronische Währung für die Netzgesellschaft – und wenn die entwickelt wird und sich ausbreitet, wird genügend Zeit zum Wechseln bleiben.