Über Zinsen, Zinsenszinsen und die Nichtnotwendigkeit eines Zusammenbruchs

Wer kennt sie nicht, die Blogs und Videos, in denen es die bösen Zinsen sind, die die Weltwirtschaft kaputtmachen? Das Geldsystem zu verstehen, und eben auch seine Probleme, ist sicherlich nicht die einfachste Übung. Und man kann dort die verschiedensten Fehler machen. Der Fehler, dass Zinsen an sich etwas schlimmes sind, ist dabei wohl einer der häufigsten. Ganz zu schweigen von Zinseszinsen. Man kann schon fast Wetten anbieten: Wenn in einem youtube-Video das Wort „Zinseszins“ auch nur auftaucht, ist es Schrott. Ich denke, 1:10 kann man da schon anbieten, 1:5 sollte schon ein sicherer Gewinn sein.

Warum sind also Zinsen etwas Gutes und Notwendiges, was allen Beteiligten Vorteil bringen kann, im Gegensatz zum Glauben an die teuflische Kraft des Zinseszins? Dazu sehen wir uns einige praktische Anwendungsfälle an. Damit die sonstigen Probleme des Geldsystems uns nicht durcheinanderbringen, betrachten wir erstmal eine reine Naturalwirtschaft.

Bauer A hat ein Feld, aber kein Saatgut. Sein Nachbar B hat hingegen Saatgut mehr als genug. Also borgt sich A Saatgut aus. Dafür verpflichtet er sich, nach der Ernte nicht nur dieselbe Menge Saatgut wieder zurückzugeben, sondern mehr – das Saatgut mit Zinsen, allerdings hier in Naturalform.

Bauer A hat eine gute Ernte. Er kann nicht nur das Saatgut mit Zinsen wieder zurückgeben, er kann auch davon leben, und hat sogar noch für die nächste Aussaat Saatgut übrig. Nachbar B hat zusätzlich zum Saatgut noch die Zinsen. Beide haben offensichtlich profitiert. Ohne Zinsen wäre das wohl nicht passiert – oder nur, wenn B sehr großzügig und vertrauensvoll gewesen wäre. Denn er hätte ja davon nichts gehabt, außer dem Risiko, das Saatgut nicht zurückzubekommen. Im Gegenteil, er hätte auf die Möglichkeit verzichtet, das Getreide zwischendurch aufzuessen.

Es gibt also Situationen, wo Kredite nützlich sind, Situationen, wo Zinsen dazu dienen, überhaupt ein Interesse beim Kreditgeber zu schaffen. Ohne Zinsen kein Kredit, und somit kein Vorteil für beide.

Was ist aber nun mit den berühmten Zinseszinseffekt? Egal wie hoch die Zinsen sind, die man bekommt – wenn man immer wieder das gesamte Geld weiter verzinst, kommen mit der Zeit im wahrsten Sinne des Wortes astronomische Summen heraus, aus dem Josephspfennig würde über die Jahrtausende Gold vom Gewicht vieler Sonnen. Eine nette mathematische Übung, mit der man Laien schön beeindrucken kann, wie beispielsweise im ZDF ab 11.00 vorgeführt, auch ein Prof. Dr. Dr. Berger ist sich (Min. 33) nicht zu schade dazu. Die hat allerdings nichts mit der Realität einer freien Marktwirtschaft zu tun. Aber was genau ist falsch an dem Schluss, dass (ab 13.47 im ZDF oder ab 37.00 bei Berger) das Wirtschaftssystem mit Zinseszins immer wieder zusammenbrechen müsse?

Sehen wir uns einmal an, wo er endet in unserem Beispiel. B verborgt im nächsten Jahr das Saatgut zusammen mit den Zinsen. Mag sein, dass A noch ein Feld unbebaut hatte. Dann ist er damit einverstanden. Wenn nicht, dann nicht. Dann nimmt er nur soviel, wie er braucht. Wenn er von der vorigen Ernte noch was übrig hatte, braucht er sogar weniger. B muss dann mit dem restlichen Saatgut andere Bauern finden. Gut, vielleicht findet er genug, um all sein Saatgut für Zinsen zu verborgen. Aber eins ist klar: Lange bevor der Wert des zu verborgenden Saatguts astronomische Größen erreicht, findet er keinen Bauern mehr, der noch bereit wäre, für Saatgut die geforderten Zinsen zu zahlen. Lange vorher wird er sein Saatgut nur noch an Bauern los, die vielleicht noch ein paar schlechte Böden übrig haben – aber weil die Aussaat dort nicht so viel einbringt, sind sie dazu nur bereit, wenn die Zinsen weitaus geringer sind. Und irgendwann wird er sein Saatgut gar nicht mehr für Zinsen los. Ein einfaches Gesetz: Mit steigendem Angebot an Kapital sinken die Zinsen. Ein Gesetz, welches uns sicher vor den Effekten der Exponentialfunktion schützt.

Also, noch einmal langsam. Was passiert nun mit dem Josephspfennig in einer stabilen kapitalistischen Wirtschaft? Erstmal wächst er recht lange exponentiell vor sich hin. Irgendwann ist aber daraus so viel geworden, dass er das Kreditangebot der Welt beeinflusst. Und dann ist bald das Kreditangebot höher ist als der Kreditbedarf, und der Zins sinkt. Wonach einfach Schluss ist mit dem exponentiellen Anstieg. Bleibt der Eigentümer des Josephspfennigs dabei, nichts zu verbrauchen, wird der Zins immer weiter sinken, bis er im Grenzwert Null wird. Und das ganz ohne Krach und Krise, und sogar ohne jede Insolvenz. Im Gegenteil, billige Kredite sind für die Wirtschaft nichts schlechtes.

In der Realität werden die Zinseinnahmen natürlich auch verbraucht, weswegen das Angebot an Kredit keineswegs ins Unendliche steigt. Gerade wenn dann die Zinsen sinken, wird auch das Angebot an Kredit zurückgehen. Daher kann sich im Mittel durchaus ein konstanter Zinssatz einstellen.

Warum die Kreditvergabe niemals astronomische Größen erreicht

Auf der Gegenseite, dem Kreditbedarf, gibt es hingegen kaum einen Anstieg. Es gibt sogar eine Tendenz dazu, dass die Kreditvergabe zurückgeht. Warum? Sehen wir uns einmal das Saatgut-Szenario noch einmal an. Die Ernten können verschieden sein. War sie zu gering, muss der Bauer im nächsten Jahr noch mehr ausborgen – etwas zum Leben für den Rest des Jahres, und dann alles Saatgut. Er muss also auch mehr Zinsen zahlen. Und wenn es in den nächsten Jahren nicht besser wird, gerät er in eine Schuldenfalle. Sicher, wenn dies eine einmalige Missernte war, kommt er dort wieder heraus. Aber wenn sie im statistischen Mittel zu gering ist, landet er dort irgendwann. Dann ist er Pleite, und das Vergeben von Kredit hört auf. Umgekehrt, wenn er mehr erntet als notwendig, muss er im nächsten Jahr weniger Kredit aufnehmen. Und, wenn dies kein einmaligen Glücksjahr war, sondern im statistischen Mittel so ist, wird die Menge Saatgut, die er sich borgen muss, immer geringer, bis er irgendwann gar nichts mehr borgen muss. Auch so ist Schluss mit der Kreditvergabe. Es wäre also nur ein Grenzfall – dass der Bauer immer genauso viel erntet, dass er im nächsten Jahr wieder dieselbe Menge an Saatgut ausborgen muss – in der die Kreditmenge gleichbleibt.

Dies ist keine Ausnahme. Alle wirtschaftlich sinnvolle Kreditaufnahme hat das Ziel, dass man irgendwann den Kredit abbezahlt und dann besser dasteht als vorher. Der Firmengründer will irgendwann Eigentümer einer Firma ohne Schulden sein, der Häuslebauer eines Hauses ohne Hypothek.

Es gibt allerdings noch etwas anderes, was von dem, was die reinen Werte angeht, auch nichts als eine Art Kredit ist.

Schuhmacher A stellt Schuhe mit der Hand her. B hat nun eine Maschine dafür gebaut. Mit dieser Maschine könnte A doppelt so viel Schuhe herstellen wie ohne. B borgt A die Maschine. Dafür verlangt er, als Belohnung für das Ausleihen, die Hälfte der mehr produzierten Waren. Auch etwas, wo beide etwas davon haben – beide jeweils die Hälfte der mehr produzierten Waren. Für B sind dies so etwas wie Zinsen, die ihm seine Maschine einbringt. Genannt wird es Rente oder Miete. Ohne Miete hätte es sich für B nicht gelohnt, A die Maschine auszuborgen. Die könnte ja kaputtgehen, oder sich zumindest abnutzen. Ganz abgesehen davon, dass er selbst sie in dieser Zeit nicht benutzen könnte.

Renten und Mieten sind, im Gegensatz zu Krediten, durchaus etwas, was auf Dauer angelegt ist. Der Mieter einer Wohnung legt vielleicht Wert auf die Freiheit, jederzeit umziehen zu können, ohne deswegen gleich eine ganze Wohnung verkaufen und woanders eine neue Wohnung kaufen zu müssen. Der Mieter einer Maschine hat möglicherweise zu wenig Ahnung von der langfristigen Wartung von solchen Maschinen, um sie als Eigentum erwerben zu wollen. Trotzdem haben wir in diesen Fällen, wenn man sich ansieht, was mit den Werten passiert, faktisch dasselbe wie einen Kredit mit Zinsen. Die Trennung von Nutzung und Eigentum ist hier eine natürliche Variante der Arbeitsteilung: Der eine kümmert sich um das, was mit Aufbau, Pflege und Erhalt des Eigentums verbunden ist, der andere nutzt es zeitweise.

Auch hier sind Zinseszinsen kein Problem. Denn die Miete oder Rente wird regelmäßig gezahlt – und damit werden Zinseszinsen überhaupt nicht fällig. Werden sie nicht gezahlt, dann wird der Mietvertrag normalerweise gekündigt. Dann hat der Vermieter nämlich sein Grundkapital wieder. Ob der zahlungsunwillige Mieter dann doch irgendwann mal dazu gebracht werden kann, die Miete samt angelaufenen Zinsen und Zinseszinsen zu zahlen, ist egal. Pleite ist pleite, in welche astronomischen Höhen die Schuld dann noch wächst, ist der Realwirtschaft egal. Denn die besteht einfach aus einem Schuldner, der nicht zahlt, und dem Vermieter, der um ein paar Mietzahlungen betrogen wurde, aber wenigstens sein Mietobjekt behalten hat.

(Aus steuerrechtlichen Gründen kann es für den Gläubiger sinnvoll sein, die Schuldsumme, gerne auch mit horrenden Strafzinsen stark anwachsend, in seinen Büchern stehenzulassen. Wird sie zu groß, schreibt man dann einen Teil davon als Verlust ab, am besten genau so viel, dass der Firma keinerlei Gewinn zum versteuern übrigbleibt. SCNR.)

Wie auch immer, die Höhe dessen, was beim Vermieten das Analogon zur Höhe des Kredites ist, ist begrenzt durch das, was auf dem gegebenen Niveau der Arbeitsteilung sinnvoll ist. Und auch die letzte interessante Möglichkeit, Kredite loszuwerden – für die Gründung neuer Firmen – dürfte ihre natürlichen Grenzen haben. Eine stabile Wirtschaft, in der niemand so fundamental neue Ideen hätte, dass sich das Gründen neuer Firmen lohnen würde, ist zum Glück praktisch nicht zu erwarten, stellt rein theoretisch aber überhaupt kein Problem dar.

Das Märchen von der Notwendigkeit von Pleiten

Nachdem wir gesehen haben, dass Zinsen notwendig und nützlich in der Realwirtschaft sind, ohne dass dies zu irgendwelchen Problemen führen würde, können wir uns ein paar Dummheiten ansehen, die sich nur ergeben, wenn man in Geld denkt. Geld ist allerdings nicht gleich Geld, der Unterschied zwischen wertgedecktem Geld wie Gold, welches einen eigenen Wert hat, und Papiergeld ist natürlich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Daher besteht auch eine große Gefahr, Probleme des Papiergeldes mit Problemen realen Geldes zu verwechseln.

Diese Verwechselung ist Dummheit, allerdings eine von der antikapitalistischen Propaganda gerne ausgenutzte. Man nehme die offensichtlichen Probleme staatlichen Papiergeldes, schiebe sie auf werthaltiges Marktgeld, und schon hat man ein Problem des unregulierten Marktes herbeiphantasiert, welches dann am besten durch staatliche Kontrolle des Geldes gelöst werden kann.

Beispiele für das Märchen von der Notwendigkeit von Pleiten wegen Zinsen ist ab 24.00 in diesem Video zu sehen, oder ab 9.35 in diesem Video, ab 5.20 bei Andreas Popp. Ein Prof. Dr. Franz Hörmann verbreitet das ab 0.54 sogar in 3sat und ab 4.27 in der ARD, wo ihm Rösler beeindruckt zuhört.

Es klingt einfach und plausibel, selbst in der Variante mit Gold als Geld. Wir vergessen mal den Goldbergbau, dann gibt es nur eine feste, begrenzte Menge an Gold. Kredite werden, nehmen wir an, in Gold vergeben. Und zurückgezahlt werden müssen sie auch in Gold. Mit Zinsen natürlich. Aber das geht doch gar nicht – die Menge an Gold ist ja, nehmen wir an, dieselbe geblieben. Wie kann die Gesellschaft insgesamt mehr zur Gold zurückzahlen als sie als Kredit bekommen hat? Das geht ja gar nicht. Also ist klar, dass, wenn das zurückzuzahlende Gold für alle nicht reicht, irgendjemand nicht zahlen kann. Irgendjemand muss also, notwendigerweise, pleite gehen.

Plausibel? Scheinbar ja, aber trotzdem Nonsens. Dazu nehmen wir eine Miniwelt aus unserem Bauern A, der sich Saatgut auf Kredit beschafft, und seinem Kreditgeber B. Nehmen wir an, das Saatgut sei so viel wert wie der gesamte Goldbestand unserer Minimalgesellschaft. Warum auch immer wird aber zwischen den beiden immer nur Gold gegen Ware getauscht und Kredite wie Rückzahlungen erfolgen immer in Gold – für zwei Leute sicher unpraktisch, aber darauf kommt es ja nicht an.

Es passiert also folgendes. Statt direkt von B das Saatgut zu erhalten, erhält A von B erstmal das gesamte Gold der Miniwelt als Kredit. Dafür kauft er dann bei B das Saatgut. Dann, nach der Ernte, verkauft er B als erstes den Teil der Ernte, der dem Saatgut entspricht. Dafür bekommt er alles Gold der Miniwelt. Er kann nun erstmal den Grundbetrag des Kredits in Gold zurückzahlen. Allerdings bleiben die Zinsen noch offen. Na und? Er hat ja noch genug Getreide übrig. Er verkauft also noch mehr Getreide an B – der ja wegen der Kreditrückzahlung wieder genug Gold – so viel, wie nötig ist, um auch die Zinsen zurückzuzahlen.

Was in der Realwirtschaft klappte, unproblematisch und nützlich war, klappt also genauso in der Geldwirtschaft. Vorher wie nachher hatte B alles Gold der Welt, in der Realwirtschaft hat das Hin-und Herschieben des Goldes nichts verändert. Die Zinsen konnten bezahlt werden – weil A nach Aussaat und Ernte mehr Getreide hatte als vorher. Dass die Menge des Goldes gleichblieb, ist dabei irrelevant. Denn selbst wenn alles in Gold bezahlt werden muss – man kann ja dasselbe Goldstück mehrmals hin- und herschieben.


7 Antworten auf „Über Zinsen, Zinsenszinsen und die Nichtnotwendigkeit eines Zusammenbruchs“


  1. 1 alfons 13. Oktober 2013 um 17:25 Uhr

    Genau! Weder Zins noch Geld sind per se problematisch. Die Probleme entspringen meiner Meinung nach vor allem den bestehenden Geldsystemen. (Diese Probleme werden von den Kapitalismuskritikern gerne benützt, um die scheinbaren Folgen der Amoralität des freien Marktes aufzuzeigen. Obwohl natürlich die bestehenden Geldsysteme nicht viel mit freiem Markt gemein haben)

    Ich behaupte, es lässt sich zeigen, dass es in einem theoretischen freien Markt keine Zinsen gäben würde, welche zu einer systematischen Bereicherung führen. Alle Kreditvergaben wären demnach faire Wetten. Zins wäre also bloss Risiko- und allfällige Inflationsentschädigung. Das problematische Element des Zinses bestehender und traditioneller herrschaftlicher (quasi-monopolistische) Geldsysteme – so behaupte ich – ist die Knappheitsprämie, welche stets bezahlt wurde. Da das Geld stets einen Quasi-Monopol-Status hatte, wurde ein höherer Zinssatz bezahlt, als die reine Risiko- und Inflationsentschädigung. Die Wette war also stets unfair zugunsten der Kreditgeber. Deshalb auch die systematische Bereicherung.

    (Ich habe da so eine mathematische Idee in meinem Kopf, die sich wie folgt skizziert: Nur wenn die Menge aller benützbarer Zahlungsmittel endlich und beschränkt ist, kann es zu systematischer Bereicherung durch Zinsnahme bei der Kreditvergabe kommen. In einem theoretischen freien Markt ist die Menge aller Zahlungsmittel nicht beschränkt und bei einer Hortung (=> „Knapperwerdung“) bestehender Zahlungsmittel würden einfach neue erschafft werden…)

    was hältst du von dieser Argumentation?

  2. 2 libertarian 14. Oktober 2013 um 21:05 Uhr

    Ich halte nichts davon. Nimm das Beispiel einer Wohnung, die vermietet wird. Davon kann man ganz fair auf Dauer leben und wenn man sparsam ist sich sogar bereichern.

    Die Wohnung hat auf einem stabilen freien Markt einen festen Preis, die Miete (nach Abzug der Erhaltungskosten) auch. Ich kann mir also für das Geld die Wohnung kaufen, sie vermieten, so Geld einnehmen, und sie ohne Verlust wieder verkaufen. Dies bringt einen festen Zinssatz. Und dessen Grundlage ist nicht das Risiko, dass der Mieter die Wohnung kaputtmacht, sondern der Verzicht auf die eigene Nutzung der Wohnung.

    Ansonsten, direkt bei deinem Ansatz: Die Zahlungsmittel auf dem freien Markt sind natürlich beschränkt. Die Goldmenge ist beispielsweise beschränkt. Ansonsten setzt es sich einfach nicht als Zahlungsmittel auf einem freien Markt durch.

  3. 3 alfons 15. Oktober 2013 um 9:09 Uhr

    Ich denke, du hast mich nicht richtig verstanden!

    Natürlich wäre ein einzelnes Zahlungsmittel in seiner Verfügbarkeit beschränkt. Was in einem freien Markt meiner Meinung nach nicht beschränkt wäre, ist die Menge aller möglichen Zahlungsmittel. Das ist mein Punkt! Wieso sollen Leute in einem freien Markt mehr als die Risiko- und Inflationsprämie bezahlen, wenn sie auch selber ein Zahlungsmittel erschaffen können? (das kann ja auch rein virtuell sein) (Es lassen sich „Kreditsysteme“ denken, deren Kosten gegen null tendieren.)

    Zum Verzichtsargument: Erstens haben Güter in der Regel „Aufbewahrungskosten“ jeglicher Form. Wenn jemand zB nun zwei Häuser besitzt, jedoch nur in einem Wohnen will. Könnte ich im anderen wohnen und der Besitzer wäre möglicherweise nur schon zufrieden, wenn ich die „Aufbewahrungskosten“ trage. (Risiko, Renovation, usw)… Beim Pachten von Land ist es das selbe: Land muss gepflegt werden, sonst verbuscht, verwaldet es… Oder wenn ich Geld (irgendeiner Art) besitze, es jedoch gerade nicht gebrauchen will, sondern lieber später, so trage ich das Diebstal- oder allgemeine Verluststrisiko. Wenn ich dieses Geld aber jemand anderem ausliehe, trägt dieser das Risiko. Vielleicht wäre ich sogar bereit dafür etwas zu bezahlen? Aber das der andere mir eine Verzichtsprämie bezahlt erscheint in diesem Fall absurd.

    Hast du dir die Idee bezüglich dem Zins als Verzichtsprämie genau überlegt? Mir erscheint sie irgendwie nicht so stimmig.

  4. 4 libertarian 15. Oktober 2013 um 12:03 Uhr

    Ich denke, du denkst zu sehr im Geldbegriff. Auf dem freien Markt ist Geld nur Tauschmittel. Und, klar, davon kann es viele geben. Es ändert aber nichts an der realen Zinsrate was als Geld genommen wird. (Klar muss man die zu erwartende Inflationsrate draufschlagen, um den Zins in der konkreten Währung zu bekommen.) Der reale Mietzins, angegeben in Naturalien, bleibt unverändert von einer Währungsumstellung auf einem freien Markt.

    Natürlich kommen Aufbewahrungskosten hinzu wenn man sparen will. Und dies könnte durchaus dazu führen, dass der Zins insgesamt negativ wird. Auch kann eine Vermietung vom einen oder anderen Vermieter überhaupt nicht als Verzicht betrachtet werden – wenn beispielsweise der Geliebte einzieht.

    Dass es aber so etwas wie eine Verzichtsprämie gibt, wenn es zugunsten von jemand anderem darauf verzichte, so etwas wie eine Wohnung eine bestimmte Zeit zu nutzen, ist unzweifelhaft.

  5. 5 alfons 17. Oktober 2013 um 12:57 Uhr

    Ich glaube, ich habe es jetzt ein bisschen klarar im Kopf!

    bezahlter Zins = Ausfallsrisikoprämie + Inflationsprämie + Umlaufssicherungsprämie* + Verzichtsprämie** – Aufbewahrungskosten/Werterhaltungskosten

    **wenn alle anderen Summanden als einigermassen berechenbar angenommen würden, könnte man aus dem bezahlten Zins auf die schwer messbare Verzichtsprämie schliessen.

    *resultiert aus der Hortung eines Zahlungsmittels mit Quasimonopol

    Wobei meine Behauptung (zu Beginn) war, dass erstens die Umlaufssicherungsprämie in einem theoretischen freien Markt gegen 0 tendieren würde und das zweitens dieser Teil des bezahlten Zinses hauptsächlich zur Akkumulation von Vermögen und somit auch von Macht geführt hat und daher hauptursächlich für die „scheinbaren Verwerfungen des Kapitalismus“ ist…

    Zudem war meine unbewusste! Annahme, dass die Verzichtsprämie gegen Null tendiert oder sogar negativ werden kann. Und sich somit also eine tatsächliche Sparpräferenz und nicht eine Konsumpräferenz manifestiert. Dies könnte folgende plausible Gründe haben: längeres Rentenalter und hohe momentante Arbeitsproduktivität => hohes Sparbedürfnis, entgegen der weitläufigen Annahme, dass ein Stück Kuchen heute einem Stück Kuchen morgen allgemein eher vorgezogen wird…

    Wie siehst du das?

  6. 6 libertarian 19. Oktober 2013 um 0:09 Uhr

    Ich kann mit Umlaufsicherungsprämie wenig anfangen, aber egal. Negative Verzichtsprämie ist nicht unmöglich, und ist bei jahreszeitabhängigen Früchten für gewisse Zeiträume nach der Ernte sogar plausibel. Eine Tendenz würde ich da allerdings kaum sehen.

  7. 7 Die_Eule 20. Oktober 2013 um 17:32 Uhr

    Inflation ist, wenn das Geld dadurch weniger wert wird, dass mehr Geld gedruckt wird. Umlaufsicherung ist, wenn regelmäßig ein geringer Prozentanteil des Nennwerts einer Banknote abgeben werden muss an die Zentralbank. Umlaufsicherung ist also Inflation, nur dass die Zahlen auf den Banknoten nicht größer werden.

    Dementsprechend besteht der Zins natürlich sowohl aus Inflationsprämie, als auch Umlaufsicherungsprämie.

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