Flugverbotszonen

Hinter einer paywall versteckt ist ein Artikel der Financial Times: Moscow scuppers US coalition plans for no-fly zone in Syria von Sam Jones. Was drinsteht, entnehme ich einer russischen Zusammenfassung. Die Information darüber scheint mir jedoch wichtig und plausibel genug, sie hier verkürzt wiederzugeben:

Die russische Militäroperation hat Pläne Washingtons zur Schaffung einer Flugverbotszone über Syrien vereitelt, schreibt die Financial Times unter Berufung auf diplomatische und militärische Quellen der von den USA geführten Anti-ISIS-Koalition. Nach mehrmonatigen Verhandlungen wäre man vor einigen Wochen nahe an einer Einigung über eine Flugverbotszone gewesen, die nach Plänen, die Jordanien und die Türkei vorgeschlagen wurden, geschaffen werden sollte. Früher war solch eine Zone schon in Libyen geschaffen worden. Es wurde angenommen, dass ein solcher Beschluss die Bombardierungen der Zivilbevölkerung in Norden und Süden durch Truppen von Assad beenden und Bedingungen für die Aktivisierung der Suche nach politischen Lösungen des Syrienkonflikts schaffen könnte, sagten die Gesprächspartner der Zeitung. Viele von ihnen glauben, dass die Nähe einer solchen Einigung die Vorbereitungen der russischen Militäraktion beschleunigt hat.

FT stellt fest, dass die in Syrien befindlichen vier multifunktionalen Kampfflugzeuge SU 30 hohe Manövrierfähigkeit besitzen und in der Lage sind, andere Flugzeuge abzuschießen, und der Kreuzer „Moskau“ mit S 300 bewaffnet ist, deren Einsatz in der Region vom Pentagon stark befürchtet wird. Das bedeutet, dass nunmehr Luftoperationen der Koalition angreifbar sind. Die Stationierung des russischen Militärs in Syrien hat offensichtlich gemacht, dass die Koalition jetzt keine Flugverbotszone nach libyschem Modell mehr einrichten können, solange sie nicht russische Flugzeuge abschießen wollen. Die Russen würden keine Versuche machen, Konfliktsituationen zu vermeiden, sie sagen einfach „geht uns aus dem Weg“. Damit würden nunmehr Operationen der Koalition in Syrien erheblich erschwert, was die Einschätzung der Risiken und die Planung der Lufteinsätze betrifft.

Dies stimmt auch mit meiner eigenen Lagebeurteilung überein – nämlich, dass der wichtigste Teil der Aktion gar nicht die Luftangriffe sind, sondern die Luftabwehr, die im Zusammenhang mit dem Einsatz dort aufgebaut wurde. Das betrifft sowohl die Luftabwehr direkt zum Schutz der Stützpunkte wie auch die Verwendung von Abfangjägern als Begleitschutz für die Flugzeuge selbst. Es ist ja klar, dass beides nicht zum Schutz vor einer nicht existierenden IS-Luftwaffe dient.

Das Ziel, die Errichtung von Flugverbotszonen über Syrien zu verhindern, hat die russische Militäraktion bereits erreicht. Und damit eine Entwicklung nach libyschem Muster verhindert – eine Entwicklung, die noch viel katastrophaler gewesen wäre als sie aktuell in Libyen ist, weil nach einer Zerschlagung der Kräfte von Assad die islamischen Fundamentalisten die stärkste Kraft gewesen wären. Deren Machtergreifung hätte Massenmord und Vertreibung von Christen, Alewiten, Drusen und anderen Minderheiten zur Folge haben können. Und auch die Kurden hätten schlechte Aussichten gehabt, eingeschlossen zwischen dem IS und der Türkei. Dass solch eine Katastrophe verhindert wurde, ist, unabhängig vom sonstigen Erfolg der Operation, Grund zum Aufatmen.


1 Antwort auf „Flugverbotszonen“


  1. 1 dreifels 09. Oktober 2015 um 4:08 Uhr

    faktisch hat nun Syrien wieder die Lufthoheit. Die Türkei wurde bereits einmal gewarnt und hat ihre F16 dann sofort zurückgeholt.
    Mit Presse-Tamtam und Beschwerde, dass die F16 von Flugabwehr-Radar erfasst worden wären.
    Die Kurden dürfte das freuen.

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