Und zur Abwechselung wie man über Statistiken berichtet

Mehrheit der Syrer flieht vor Assad titelt die Zeit, und schreibt dazu:

Der Hauptgrund für die Flucht von Syrern nach Deutschland ist einer Umfrage zufolge die Gewalt seitens des syrischen Machthabers Bashar al-Assad. Bei einer Umfrage haben 92 Prozent der Befragten angegeben, vor bewaffneten Auseinandersetzungen geflohen zu sein, erklärte …

Auch der Spiegel macht mit und titelt Syrische Flüchtlinge in Deutschland: Die meisten fliehen vor Assad – nicht vor dem IS.

Was steckt dahinter: Zur Organisation, die die Umfrage durchführte, schreibt die Zeit folgendes: „“Adopt a Revolution“ versteht sich als Unterstützerorganisation der syrischen Opposition. Sie gilt als den gemäßigten Rebellengruppen nahestehend.“ Also eine Umfrage, durchgeführt von Leuten, die nicht mal behaupten, neutral zu sein. Aber, geschenkt, das ist nicht der Punkt, der mich bewegt hat, darüber einen Artikel zu schreiben.

Auf die Befragung selbst kann man im Netz zugreifen, und wenn man ein bisschen nachdenkt, kommt man zu einem etwas anderen Schluss als die Reporter.

Sehen wir uns einfach mal die eigentlich interessante Statistik an, nämlich „Wer war für die Kämpfe verantwortlich?“ Der wichtige Punkt dabei ist: Mehrfachnennungen sind möglich. Wie viele Leute haben Mehrfachnennungen gemacht? Die 16,3%, die mit „weiß ich nicht“ werden es kaum sein, betrachten wir also die restlichen 83,7%. Die anderen Nennungen summieren sich auf 151,7%. Also kämen wir schon auf 1,8 Nennungen im Durchschnitt. Was eine völlig natürliche Zahl ist – es bricht ein Kampf in der Nähe des Ortes aus, wo man lebt – und man flieht. Der Kampf findet normalerweise statt zwischen 2 Parteien. Wenn solch eine Person angibt, wer für die Kämpfe verantwortlich ist, wird sie die beiden Parteien angeben, die dort miteinander gekämpft haben.

Wie hoch ist nun die Wahrscheinlichkeit, dass eine der beiden genannten Parteien die syrische Armee ist? Angesichts der Tatsache, dass sie anfangs ja mal das ganze Land kontrolliert hat, und aktuell aus vielen Gebieten vertrieben ist, recht hoch. Der Großteil der Leute, die fliehen, fliehen wenn die Kämpfe ausbrechen, also zu einem Zeitpunkt, also vermutlich als die syrische Armee das Gebiet noch kontrollierte und dann von den Rebellen vertrieben wurde. Die Zahlen, also die 69,5%, ergeben 45,8% von den 151,7%. Also nichts anderes als was eigentlich zu erwarten ist, wenn man fragt, wer sich denn in den Kämpfen, vor denen man geflohen ist, bekämpft hat.

Ein ähnliches Problem mit Doppelnennungen hat auch die Frage, ob man Angst hat „festgenommen oder entführt zu werden“. In der Studie liest sich das so:

Das Assad-Regime ist zudem mit Abstand derjenige Akteur, von dem die Befragten am meisten Angst hatten, festgenommen oder entführt zu werden (77%), gefolgt von IS mit 42%. … Weitere bewaffnete Gruppen wurden bei Fragen sowohl nach Kämpfen, als auch nach Festnahmen bzw. Entführungen mit deutlich unter 20% genannt.

Die „deutlich unter 20%“ summieren sich, wie genau, ist schwer zu sagen, weil diese Tabelle in der Umfrage fehlt.

Wie die Zeit darüber berichtet, ist bemerkenswert:

Gut drei Viertel der Flüchtlinge gaben als Fluchtgrund die Befürchtung an, vom Assad-Regime festgenommen zu werden, nur 42 Prozent fürchteten in Syrien eine Entführung durch den IS.

Gaben sie das wirklich? Hier kommt der nächste Aspekt. Was schreibt die Befragung selbst?

„Die mit Abstand am häufigsten angegebene Fluchtursache ist Gefahr für Leib und Leben.“ Die Zahl dazu ist 68.6%.

„Die Befragten bezeichnen jeweils den bewaffneten Konflikt (92%), die Angst vor Verhaftungen und Entführungen (86%) sowie Fassbomben (73%) als unmittelbare Gefahr für ihr Leben.“

Also, aus Angst vor Verhaftungen und Entführungen flohen 86% von denen, die wegen „Gefahr für Leib und Leben“, also von 68,6%, macht 59%. Und von diesen 59% gaben 77% Angst vor Verhaftung speziell durch das Assad-Regime an, macht also 45,4% der Flüchtlinge insgesamt, nicht einmal die Hälfte.

Wie üblich, die NATO-Lügenpresse gibt sich nicht damit zufrieden, einfach nur Befragungen von pro-NATO-Organisationen zu verbreiten, sie manipuliert auch noch die Ergebnisse der Befragung selbst in ihrer Darstellung.