Kartenspiel zu MH17

Nachdem mich ein paar Typen mit der Behauptung genervt haben, es sei erwiesen, dass die Buk (wenn es denn, wohlgemerkt, eine war) von neurussischem Gebiet abgeschossen wurde, hab ich mir mal die Karten dazu rausgesucht.

Erstmal haben wir zwei Karten. Eine Karte ist von der BUK-Herstellerfirma Almaz-Antey (genauer die Region von mir vom Original kopiert):

Wenn ich dahin fahren will, nehme ich vermutlich die Straße rechts, die Frage wäre also, wer zu dem Zeitpunkt Welikaja Schischowka gehalten hat. Die Antwort gibt es im Netz, zumindest vom 16.Juli 2014: „Несколько РСЗО „Град“ ополчения нанесли удар по блокпосту „нацгвардии“ у села Великая Шишовка в 6 км. южнее г. Шахтерск“ also einige Raketenwerfer „Grad“ der Milizen haben einen Schlag gegen einen Blockposten der Nationalgarde beim Dorf Welikaja Schischowka 6 km südlich von Schachtjorsk geführt. Bingo.

Auch eine weitere Quelle berichtet davon: „У Амвросиевки (ДНР) в районе с. Большая Шишовка в это же время Градами накрыли колонну укров.“ Also bei Amwrosiewka im Gebiet Bolschaja Schischowka wurde eine Ukie-Kolonne abgeschossen.

Ach so, die „Novaja Gaseta“ (eine prowestliche russische Zeitung) wollte die Theorie von Almaz-Antey widerlegen und machte sich auf ins Dorf Sarotschenskoje, um die Leute dort zu befragen. Nun, in dem Dorf hatten sie nichts gesehen. Dort war weder ukrainisches Militär noch neurussische Milizen. Wozu auch, bei diesem kleinen Nest? Ok, die „Novaja Gaseta“ meinte, so gezeigt zu haben, dass dort keine Ukrainer waren. Allerdings halt auch keine DNR. Und die Ukrainer würden natürlich die Straße vom Süden nehmen, und würden dabei in Sarotschenskoje sowieso nicht vorbeigucken. Die DNR hingegen müsste es – auf der Straße rechts hätten sie erst den Kontrollposten überwinden müssen, um in das Gebiet zu kommen, der andere Weg wäre über Sarotschenskoje gegangen.

Die andere Karte ist die auf Seite 144 des niederländischen Reports über den Abschuss:

In den Medien hört man „bei Sneshnoje“, und das war in der Hand der Milizen. Aber Sneshnoje ist, wie man sieht, nur das oberste Ende des Gebiets. War denn das ganze kritische Gebiet in der Hand der Milizen? Sieht nicht so aus. Die folgende Karte findet sich auch am 16.Juli bei Colonel Cassad:


Den großen dunklen Fleck im unteren Teil der Region, in der die BUK laut dem Bericht gestanden haben solle, kann man unten links als grünen Fleck leicht identifizieren – und der war offenbar nicht von den Milizen besetzt. Also ein Beweis wäre auch dies nicht – lediglich ziemlich plausibel wäre es, dass die Ukrainer keine Luftabwehr so nahe an den Stellungen der Milizen hinstellen würden. Nur, andererseits, wenn man was abschieben und das dann den Milizen in die Schuhe schieben will, wäre genau das auch wieder recht logisch.

PS: Laut Rusvesna wurde von Basurin, also vom Verteidigungsministerium der DVR, eine erbeutete Karte vorgestellt, auf der Positionen ukrainischer BUKs eingetragen sein sollen, eine davon bei Saroschtschenskoje. Leider ist der Scan ziemlich ungenau: