Glückwunsch an die Briten!

Gratulation. Ihr habt etwas geschafft, was ich für unmöglich hielt: Eine Volksabstimmung gegen das Establishment zu gewinnen – und das, noch dazu, mit einem geradezu hauchdünnen Vorsprung. Ich hatte erwartet, dass ein Vorsprung, um dann auch im offiziellen Endergebnis Vorsprung zu bleiben, mindestens 5% betragen müsse. Hier haben schon knapp 2% schon gereicht.

Oder waren es vielleicht doch mehr, so viel, dass man den schon gestarteten Wahlfälschungsversuch abbrechen musste, weil er zu auffällig geworden wäre?

Was es für die EU bedeutet

Was bedeutet dies für die EU? Eins ist klar, Deutschland wird stärker. Frankfurt (Main) wird sich freuen, mit den Briten außerhalb der EU kann man die Londoner Börse aus dem europäischen Markt verdrängen. Da die Briten die wohl engsten Verbündeten der USA überhaupt sind, wird der US-Einfluss auf die EU geringer.

Weniger US-Einfluss ist in jedem Fall gut. Es ist nicht nur weniger US-Einfluss auf die EU, sondern auch auf Deutschland selbst – mehr Macht für Deutschland innerhalb der EU bedeutet ja auch weniger indirekte Macht über Deutschland auf dem Umweg über die EU.

Die EU bewegt sich damit weg von einer US-Kolonialverwaltung in Richtung deutscher Kolonialverwaltung. Das ist natürlich nichts, was im Rest von Europa zu mehr Begeisterung für die EU führen dürfte. Nicht umsonst hat der Ungar Orban ja klar gegen des Brexit geworben. Und somit ist auch zu erwarten, dass sich EU-feindliche Stimmungen überall verstärken. Eine EU, in der man die Deutschen gegen Franzosen und Engländer ausspielen kann, um eigene Interessen durchzusetzen, ist was anderes als eine, in der Deutschland der Boss ist. Um dagegen zu wirken, müsste Deutschland draufzahlen. Was sie sicherlich tun werden, solange sie meinen, das bringe ihnen genügend Vorteile. Aber nicht länger. Irgendwann werden sie mal genug haben, wie die Briten seinerzeit von ihrem Kolonialsystem, und dann ist die EU Geschichte.

Was es für die Briten bedeutet

Die schottische Unabhängigkeitsbewegung hat neuen Auftrieb bekommen – sie könnten noch einmal versuchen, ein neues Referendum durchzusetzen, und dann mit einem EU-Beitritt Schottlands für eine Abspaltung werben. Ob die EU dann darüber besonders erfreut wäre, ist die Frage – Schottland alleine dürfte wohl eher ein Zuschussgeschäft werden.

Wie auch immer, auch innerhalb des Königreiches verspricht das Brexit mehr Abspaltung.

Warum Abspaltung generell gut ist

In jedem Fall ist der Brexit insgesamt gesehen positiv – große politische Objekte sind in jedem Fall korrupter als kleine, ein einfaches ökonomisches Gesetz: Der Wert einer politischen Entscheidung für die Wirtschaft ist proportional zur Einwohnerzahl, das Bestechungsgeld, welches die Wirtschaft bereit ist, dafür anzubieten, somit auch, während die legalen Einkünfte der Entscheidungsträger keineswegs proportional zur Bevölkerung zunehmen – dazu reicht es, die Einkommen von Dorfbürgermeistern und Politikern zu vergleichen. Und damit ist das Verhältnis von angebotener Bestechungssumme und legalem Einkommen für Politiker großer politischer Einheiten deutlich größer.

Man könnte einwenden, dass ja auch die Zahl der Politiker größer wäre in einem großen Staat. Auch wenn Merkel nicht mehr als 80 Mio im Monat verdient, die sie kriegen müsste, wenn sie proportional zu einem für 1000 Leute verantwortlichen Dorfbürgermeister bezahlt wird, der sicher mehr als 1000 pro Monat verdient, die Gesamtzahlungen für den Wasserkopf in der Zentrale dürften noch deutlich darüber liegen. Aber das ist ja nicht worauf es ankommt. Jede konkrete reale Entscheidung wird immer nur von wenigen getroffen. Und jede konkrete Firma ist immer nur an wenigen konkreten einzelnen Entscheidungen interessiert. Der Auftrag an eine Firma, die kleine Formulierung in der Regulierungsvorschrift, die ihren Konkurrenten schadet, darüber entscheidet kein Parlament, selbst wenn es soetwas formal abnicken dürfte, sondern die wenigen, die die Vorlage dazu schreiben.

Also, je kleiner die politischen Einheiten, desto weniger korrupt können sie sein. Sicher kann auch ein Dorf völlig korrupt sein. Aber ein großer Staat muss einfach korrupt sein, anders geht es nicht. Ein Dorf muss es nicht.

Und natürlich bedeutet Sezession auch immer mehr Freiheit der Auswahl, eine Vergrößerung der Zahl der Plätze auf der Welt, wohin man emigrieren kann, ohne dort unbedingt denselben Mist staatlicher Überregulierung vorzufinden wie vorher.

Nur, bedeutet es das überhaupt?

Nach dieser unerwarteten freudigen Überraschung kommen natürlich schnell wieder Zweifel auf. Vermutlich wird der Austritt ja gleich erstmal bis Oktober hinausgezögert – das Schema ist ja schon klar, Cameron tritt komischerweise erst im Oktober zurück, und überlässt die Erklärung des Austritts dann dem Nachfolger. Also wohl niemandem. Bis dahin wird man sich dann was einfallen lassen. Alles was schlechtes passiert, ist wegen des Austritts, und daher muss man dann im Oktober nochmal abstimmen.


2 Antworten auf „Glückwunsch an die Briten!“


  1. 1 polaroid 13. August 2016 um 19:14 Uhr

    Ich finde ihre Gedanken zur Abspaltung recht interessant. Ihr Ansatz mag stimmen, je weniger Macht der einzelne Regierungschef hat, desto weniger Interesse haben Menschen ihn zu bestechen. Stimmt schon, wenn die Macht Entscheidungen zu treffen besser verteilt ist, ist die Wahrscheinlichkeit dass sie missbraucht wird deutlich geringer.

    Auch wenn dieser Aspekt scheinbar für Abspaltungen spricht gibt es zwei Argumente dagegen.
    Der eine ist Kooperation und Solidarität. Man stelle sich vor wir haben ein Land das in Wüste und Wasserreiche Gegend unterteilt ist. Bisher haben staatliche Behörden sichergestellt das Wasser von der Wasserreichen Gegend in die Wüste geleitet wird, sodass alle Menschen im Land ein menschenwürdiges Leben haben können. Nun spaltet sich die wasserreiche Gegend ab. Eine staatlich organisiert Versorgung aller Menschen mit grundlegenden Gütern ist jetzt nicht mehr möglich, die Solidargemeinschaft die früher zwischen den Menschen geherrscht hat und die der Staat verwaltet hat ist jetzt futsch.
    Das andere ist die Mitbestimmung. Man stelle sich vor in dem vorher erwähnten Land wollten die Bewohner der Wasserreichen Gegend Düngen oder ähnliches, sodass ein Teil ihres Wasser verschmutzt wird und weniger Gutes zu den Wüstenbewohnern umgeleitet wird. Früher hätte das die Zentralregierung verhindert, da in ihr auch Vertreter der Wüstenbevölkerung gesessen hätte. Nach der Abspaltung wäre das nicht mehr der Fall, wenn also überhaupt noch Wasser in der Wüste ankommt, wäre es vielleicht stark verschmutzt und die Wüstenbewohner könnten nichts machen.

    Beide Seiten könnte man meiner Meinung nach durch einen stark föderalen Staat verbinden, in dem man sich jedes Mal Gedanken macht, wen eine Entscheidung eigentlich betrifft und welche Mittel es benötigt sie umzusetzen. Dann entscheidet die Ebene, auf der alle Betroffenen vertreten sind und die die Mittel hat die Entscheidung umzusetzen, die die Interessen der Menschen am besten widerspiegelt.

  2. 2 libertarian 13. August 2016 um 22:27 Uhr

    Erstmal, Kooperation kann es zwischen beiden auch geben, wenn sie getrennt voneinander sind. Dann kaufen die einen das Wasser eben. Für irgendwas, was die Wüste an -Rohstoffen zu bieten hat.

    Ansonsten sind Rohstoffe schon immer das, worum Kriege geführt werden. Passiert ja jetzt aktuell auch massenweise. Und das ach so vereinte Europa machte ja in Libyen kräftig mit. Solidarität innerhalb von Staaten existiert eh bloß in der Propaganda, es ist ein Name für Umverteilung zugunsten der Machthaber.

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