Wie die Lügenpresse ökonomisch funktioniert

Ich habe mich nun schon einige Zeit lang darüber gewundert, wieso die Lügenpresse einfach so weitermacht wie bisher, und das trotz doch recht deutlicher Einbußen an Lesern, vor allem an zahlenden Lesern. Warum nutzt nicht die eine oder andere Zeitung die offen vor aller Augen liegende Möglichkeit, aus der Lügenpresse auszuscheren und einfach mal die Wahrheit zu drucken?

Oder, selbst wenn die alten Zeitungen das nicht tun: Fehlt es etwa an der Freiheit, überhaupt eine neue Zeitung zu gründen, die dann einfach die Wahrheit schreiben kann? Und, weil beim heutigen Zustand der Lügenpresse der Unterschied sofort auffiele, schnell genug genügend Leser finden könnte?

Erstaunlicherweise braucht man keine allzu große Konspirationstheorie, keine Freimaurernetzwerke, die alle Medien kontrollieren und Neueinsteiger hinterhältig um die Ecke bringen, um die augenblickliche Lage auf dem Pressemarkt zu erklären. Recht einfache ökonomische Betrachtungen reichen auch aus.

Politische Medienmacht als Einnahmequelle

Der Punkt ist, dass die Presse in einer Demokratie nicht nur ein Mittel ist, über den Verkauf von Zeitungen an interessierte Leser Profit zu machen. Sondern eben auch ein Mittel, mit der man die Politik selbst beeinflussen kann. Man mag einen Politiker nicht, aber man kontrolliert die Presse? Kein Problem, eine Verleumdungskampagne und der Politiker ist weg. Man mag eine Partei nicht? Im nächsten Wahlkampf unterstützt man die Konkurrenz, und die Partei ist weg vom Fenster.

Wer jedoch über eigene Pressemacht Politiker kontrollieren kann, hat natürlich ganz neue Einnahmemöglichkeiten: Politische Macht ist Geld wert, sehr viel Geld.

Unprofitabilität kleiner Medien als Folge

Und damit gibt es unter den Medienbesitzern zwei Gruppen: Einmal die, die ihren Profit durch Zeitungsverkauf machen wollen, und dann die, die ihren Profit über die Medienmacht auf Politiker machen wollen. Weil letzteres sehr große Profite bringt, kann die zweite Gruppe damit leben, dass der Zeitungsverkauf als solcher ein Verlustgeschäft wird. Ist er das nicht, schön. Aber wenn er es ist – was solls, der politische Profit spielt die Verluste wieder ein.

Wenn aber der Zeitungsverkauf als solcher ein Verlustgeschäft ist, dann sind all die, die ihren Profit durch Zeitungsverkauf machen wollen, automatisch raus aus dem Markt. Sie verkaufen ihre Zeitungen. An wen? An die, die über die politische Macht der Medien ihre Gewinne machen wollen.

Nun kommt eines hinzu: Eine Lokalzeitung hat keine wirkliche politische Macht. Die politische Macht haben nur die ganz Großen. Deren politische Macht natürlich auch mit dem billigen Aufkauf der Lokalzeitung weiter wächst. Das ökonomische Argument erlaubt also eine Voraussage: Der Medienmarkt wird sich konzentrieren in der Hand einiger Großkonzerne. Weil nur diese Großkonzerne politische Macht aus der Medienkontrolle gewinnen können.

Interessant ist, dass dieser ökonomische Mechanismus völlig unabhängig davon wirkt, was die realen Kosten sind, um eine Zeitung zu betreiben. Im Konkurrenzkampf spielen Kosten keine absolute Rolle, sondern eine relative. Wenn die Konkurrenz zusätzliche Einnahmequellen hat, und daher ihr Produkt billiger anbieten kann, kann sie immer unter den reinen Produktionskosten derer bleiben, die diese zusätzlichen Möglichkeiten nicht haben.

Die einfach nur die Wahrheit schreibende Lokalzeitung hat die Möglichkeit, ihre nicht existierende Macht in Geld umzusetzen, nicht. Und damit wird sie im Konkurrenzkampf unprofitabel – völlig unabhängig von ihren Produktionskosten.

Die Großkonzerne als Medienkonglomerate

Außerdem ergibt sich noch eine weitere Voraussage: Für die politische Macht, die das Medium gibt, ist nur die Zahl der Nutzer relevant. Unterschiede zwischen Fernsehen, Radio oder Zeitung sind dafür irrelevant. Unterschiede zwischen Qualitätspresse und Boulevardpresse auch. Wenn ein Großkonzern seinen Profit aus der politischen Macht ziehen will, wird er also alle Medien ohne Unterschied aufkaufen. Die großen Medienkonzerne werden daher eher Mischkonzerne sein.

Es gibt durchaus Einwände. Sicher wird ein Konzern, der schon eine Menge Rechte zur Fernsehausstrahlung aller möglichen Filme oder so besitzt, eher Fernsehsender kaufen als Zeitungen, und ein Zeitungskonzern, der sowieso schon eine Menge Auslandskorrespondenten hat, dürfte eher Zeitungen kaufen, die die Berichte derselben Korrespondenten auch gleich mit verwenden können – dies wird also keine reine Tendenz sein. Trotzdem, wenn sich beide zusammenschließen, vergrößern sie ihre Medienmacht, und damit ihre politischen Einnahmen, überproportional. Warum sollten sie es also nicht tun?

Wie auch immer, sowohl die Konzentration im Medienbereich überall auf der Welt als auch dass die verbleibenden Großkonzerne keine Spezialisten, sondern Mischkonzerne sind, scheint mir, ohne dass ich das jetzt nachweisen will, bekannt und offensichtlich genug.

Über die Unprofitabilität, einfach nur die Wahrheit zu schreiben

Die dritte Voraussage ist, dass es keine Newcomer mehr geben wird, die einfach nur die Wahrheit schreiben. Warum? Weil die Medien selbst, ohne den politischen Profit, einfach nur noch ein Zuschussgeschäft sind. Es müsste also jemand diese Kosten übernehmen.

Im Fall von RT sind es, ganz offen, die Russen. Sie haben, angesichts der antirussischen Hetze der Lügenpresse, erkannt, dass der politische Schaden, den die Lügenpresse für Russland anrichtet, zu hoch ist, und es sich daher einfach lohnt, die Lügenpresse als solche zu diskreditieren, indem man die Kosten dafür in Kauf nimmt, einen Fernsehsender zu betreiben, der einfach nur gegen die Lügenpresse opponiert. RT hat ganz offenbar genügend Zuschauer. Wäre ein Fernsehsender mit genügend Zuschauern heute an und für sich noch profitabel, bräuchte RT nicht den russichen Staat zur Finanzierung seiner Grundausstattung.

Und damit haben wir auch auf die Frage, wie und wieso die Lügenpresse so erstaunlich einheitlich ist, und wieso sie überhaupt nicht bereit ist, sich trotz Verluste in ihren Einnahmen auch nur ein bisschen zu ändern.

Zeitungen und Fernsehsender zu betreiben lohnt sich nicht, wenn nicht dahinter ein Großkonzern steht, der über seine Medienmacht politische Profite einfährt. Die politischen Profite ergeben sich jedoch nur daraus, dass die eigenen Medien des Großkonzerns die politischen Befehle der Zentrale gehorsam umsetzen. Die politische Einheitlichkeit ist notwendig für den eigentlichen, auf politischer Macht beruhenden, Profit. Dieser Profit ist jedoch existenziell – denn einfach nur die Wahrheit schreiben wäre unprofitabel.

Und damit ist auch klar, warum die Medien nicht lernen, was jedermann offensichtlich ist – nämlich dass es keine gute Idee ist, offen und leicht durchschaubar zu lügen. Solange für die Medien, die lügen, genug gezahlt wird, lohnt es sich für den Medienkonzern, zu lügen.

Wie genau funktioniert die Bezahlung für politische Dienstleistungen?

Schön und gut, sicher haben Medien politischen Einfluss, aber auf welche Art und Weise kommen sie dafür an das Geld?

Nun, für den ökonomisch Denkenden ist dies eine recht sinnlose Frage. Es gibt eine Person, die etwas zu verkaufen hat, es gibt Personen, die am Produkt interessiert sind, also wird es Handel geben. Legal, illegal, sch…egal. Die Frage nach der Legalität stellt sich außerdem sowieso nur für die Kleinen. Oder meint irgendjemand ernsthaft, bei Transaktionen zwischen Großkonzernen und der Politik würden legale Einschränkungen auch nur eine Rolle spielen?

Wie genau das ablaufen kann, dafür sind natürlich verschiedene Modelle möglich. Nur, bringt es was, über die Details zu spekulieren? Hier reicht einfacher Zynismus völlig aus. Ein Weg, Bestechungsgelder zu zahlen, findet sich immer.


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