Libertäre Gedanken http://libertarian.blogsport.de Mon, 13 Mar 2017 13:25:49 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Und mal wieder verteidigt die Zeit die Weißhelme http://libertarian.blogsport.de/2017/03/13/und-mal-wieder-verteidigt-die-zeit-die-weisshelme/ http://libertarian.blogsport.de/2017/03/13/und-mal-wieder-verteidigt-die-zeit-die-weisshelme/#comments Mon, 13 Mar 2017 13:25:49 +0000 libertarian Allgemein http://libertarian.blogsport.de/2017/03/13/und-mal-wieder-verteidigt-die-zeit-die-weisshelme/ Ich habe es mal wieder geschafft, dass ein Kommentaraccount von mir auf Zeit Online gesperrt wurde.

Eigentlich nur das übliche, die Zeit konnte sich mal wieder nicht enthalten, ein Bild aus der neuen Kustrichtung „Weißhelm mit verletztem Kind auf dem Arm vor Ruinen“ zu bringen. Ich habe dann die Fans dieser Kunst auf ein paar schöne Sammlungen hingewiesen, nämlich diese und diese. Dass die zweite auf russisch war, war, obwohl es darauf eigentlich gar nicht ankam – die wichtige Information über den Superstar dieser Kunstrichtung ist ja den Bildern selbst zu entnehmen, war dann ein Vorwand, gleich beide Links zu streichen, mit der Begründung

Entfernt. Bitte verlinken Sie auf Artikel in einer für alle Mitforisten verständlichen Sprache. Die Redaktion/ja

Nun, kein Problem, Bilder vom Superstar gab es ja auch hier auf englisch.

Tja, das war dann halt zuviel für die Redaktion, und ich wurde gesperrt.

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Wie die Lügenpresse ökonomisch funktioniert http://libertarian.blogsport.de/2017/01/28/wie-die-luegenpresse-oekonomisch-funktioniert/ http://libertarian.blogsport.de/2017/01/28/wie-die-luegenpresse-oekonomisch-funktioniert/#comments Sat, 28 Jan 2017 15:00:57 +0000 libertarian Allgemein http://libertarian.blogsport.de/2017/01/28/wie-die-luegenpresse-oekonomisch-funktioniert/ Ich habe mich nun schon einige Zeit lang darüber gewundert, wieso die Lügenpresse einfach so weitermacht wie bisher, und das trotz doch recht deutlicher Einbußen an Lesern, vor allem an zahlenden Lesern. Warum nutzt nicht die eine oder andere Zeitung die offen vor aller Augen liegende Möglichkeit, aus der Lügenpresse auszuscheren und einfach mal die Wahrheit zu drucken?

Oder, selbst wenn die alten Zeitungen das nicht tun: Fehlt es etwa an der Freiheit, überhaupt eine neue Zeitung zu gründen, die dann einfach die Wahrheit schreiben kann? Und, weil beim heutigen Zustand der Lügenpresse der Unterschied sofort auffiele, schnell genug genügend Leser finden könnte?

Erstaunlicherweise braucht man keine allzu große Konspirationstheorie, keine Freimaurernetzwerke, die alle Medien kontrollieren und Neueinsteiger hinterhältig um die Ecke bringen, um die augenblickliche Lage auf dem Pressemarkt zu erklären. Recht einfache ökonomische Betrachtungen reichen auch aus.

Politische Medienmacht als Einnahmequelle

Der Punkt ist, dass die Presse in einer Demokratie nicht nur ein Mittel ist, über den Verkauf von Zeitungen an interessierte Leser Profit zu machen. Sondern eben auch ein Mittel, mit der man die Politik selbst beeinflussen kann. Man mag einen Politiker nicht, aber man kontrolliert die Presse? Kein Problem, eine Verleumdungskampagne und der Politiker ist weg. Man mag eine Partei nicht? Im nächsten Wahlkampf unterstützt man die Konkurrenz, und die Partei ist weg vom Fenster.

Wer jedoch über eigene Pressemacht Politiker kontrollieren kann, hat natürlich ganz neue Einnahmemöglichkeiten: Politische Macht ist Geld wert, sehr viel Geld.

Unprofitabilität kleiner Medien als Folge

Und damit gibt es unter den Medienbesitzern zwei Gruppen: Einmal die, die ihren Profit durch Zeitungsverkauf machen wollen, und dann die, die ihren Profit über die Medienmacht auf Politiker machen wollen. Weil letzteres sehr große Profite bringt, kann die zweite Gruppe damit leben, dass der Zeitungsverkauf als solcher ein Verlustgeschäft wird. Ist er das nicht, schön. Aber wenn er es ist – was solls, der politische Profit spielt die Verluste wieder ein.

Wenn aber der Zeitungsverkauf als solcher ein Verlustgeschäft ist, dann sind all die, die ihren Profit durch Zeitungsverkauf machen wollen, automatisch raus aus dem Markt. Sie verkaufen ihre Zeitungen. An wen? An die, die über die politische Macht der Medien ihre Gewinne machen wollen.

Nun kommt eines hinzu: Eine Lokalzeitung hat keine wirkliche politische Macht. Die politische Macht haben nur die ganz Großen. Deren politische Macht natürlich auch mit dem billigen Aufkauf der Lokalzeitung weiter wächst. Das ökonomische Argument erlaubt also eine Voraussage: Der Medienmarkt wird sich konzentrieren in der Hand einiger Großkonzerne. Weil nur diese Großkonzerne politische Macht aus der Medienkontrolle gewinnen können.

Interessant ist, dass dieser ökonomische Mechanismus völlig unabhängig davon wirkt, was die realen Kosten sind, um eine Zeitung zu betreiben. Im Konkurrenzkampf spielen Kosten keine absolute Rolle, sondern eine relative. Wenn die Konkurrenz zusätzliche Einnahmequellen hat, und daher ihr Produkt billiger anbieten kann, kann sie immer unter den reinen Produktionskosten derer bleiben, die diese zusätzlichen Möglichkeiten nicht haben.

Die einfach nur die Wahrheit schreibende Lokalzeitung hat die Möglichkeit, ihre nicht existierende Macht in Geld umzusetzen, nicht. Und damit wird sie im Konkurrenzkampf unprofitabel – völlig unabhängig von ihren Produktionskosten.

Die Großkonzerne als Medienkonglomerate

Außerdem ergibt sich noch eine weitere Voraussage: Für die politische Macht, die das Medium gibt, ist nur die Zahl der Nutzer relevant. Unterschiede zwischen Fernsehen, Radio oder Zeitung sind dafür irrelevant. Unterschiede zwischen Qualitätspresse und Boulevardpresse auch. Wenn ein Großkonzern seinen Profit aus der politischen Macht ziehen will, wird er also alle Medien ohne Unterschied aufkaufen. Die großen Medienkonzerne werden daher eher Mischkonzerne sein.

Es gibt durchaus Einwände. Sicher wird ein Konzern, der schon eine Menge Rechte zur Fernsehausstrahlung aller möglichen Filme oder so besitzt, eher Fernsehsender kaufen als Zeitungen, und ein Zeitungskonzern, der sowieso schon eine Menge Auslandskorrespondenten hat, dürfte eher Zeitungen kaufen, die die Berichte derselben Korrespondenten auch gleich mit verwenden können – dies wird also keine reine Tendenz sein. Trotzdem, wenn sich beide zusammenschließen, vergrößern sie ihre Medienmacht, und damit ihre politischen Einnahmen, überproportional. Warum sollten sie es also nicht tun?

Wie auch immer, sowohl die Konzentration im Medienbereich überall auf der Welt als auch dass die verbleibenden Großkonzerne keine Spezialisten, sondern Mischkonzerne sind, scheint mir, ohne dass ich das jetzt nachweisen will, bekannt und offensichtlich genug.

Über die Unprofitabilität, einfach nur die Wahrheit zu schreiben

Die dritte Voraussage ist, dass es keine Newcomer mehr geben wird, die einfach nur die Wahrheit schreiben. Warum? Weil die Medien selbst, ohne den politischen Profit, einfach nur noch ein Zuschussgeschäft sind. Es müsste also jemand diese Kosten übernehmen.

Im Fall von RT sind es, ganz offen, die Russen. Sie haben, angesichts der antirussischen Hetze der Lügenpresse, erkannt, dass der politische Schaden, den die Lügenpresse für Russland anrichtet, zu hoch ist, und es sich daher einfach lohnt, die Lügenpresse als solche zu diskreditieren, indem man die Kosten dafür in Kauf nimmt, einen Fernsehsender zu betreiben, der einfach nur gegen die Lügenpresse opponiert. RT hat ganz offenbar genügend Zuschauer. Wäre ein Fernsehsender mit genügend Zuschauern heute an und für sich noch profitabel, bräuchte RT nicht den russichen Staat zur Finanzierung seiner Grundausstattung.

Und damit haben wir auch auf die Frage, wie und wieso die Lügenpresse so erstaunlich einheitlich ist, und wieso sie überhaupt nicht bereit ist, sich trotz Verluste in ihren Einnahmen auch nur ein bisschen zu ändern.

Zeitungen und Fernsehsender zu betreiben lohnt sich nicht, wenn nicht dahinter ein Großkonzern steht, der über seine Medienmacht politische Profite einfährt. Die politischen Profite ergeben sich jedoch nur daraus, dass die eigenen Medien des Großkonzerns die politischen Befehle der Zentrale gehorsam umsetzen. Die politische Einheitlichkeit ist notwendig für den eigentlichen, auf politischer Macht beruhenden, Profit. Dieser Profit ist jedoch existenziell – denn einfach nur die Wahrheit schreiben wäre unprofitabel.

Und damit ist auch klar, warum die Medien nicht lernen, was jedermann offensichtlich ist – nämlich dass es keine gute Idee ist, offen und leicht durchschaubar zu lügen. Solange für die Medien, die lügen, genug gezahlt wird, lohnt es sich für den Medienkonzern, zu lügen.

Wie genau funktioniert die Bezahlung für politische Dienstleistungen?

Schön und gut, sicher haben Medien politischen Einfluss, aber auf welche Art und Weise kommen sie dafür an das Geld?

Nun, für den ökonomisch Denkenden ist dies eine recht sinnlose Frage. Es gibt eine Person, die etwas zu verkaufen hat, es gibt Personen, die am Produkt interessiert sind, also wird es Handel geben. Legal, illegal, sch…egal. Die Frage nach der Legalität stellt sich außerdem sowieso nur für die Kleinen. Oder meint irgendjemand ernsthaft, bei Transaktionen zwischen Großkonzernen und der Politik würden legale Einschränkungen auch nur eine Rolle spielen?

Wie genau das ablaufen kann, dafür sind natürlich verschiedene Modelle möglich. Nur, bringt es was, über die Details zu spekulieren? Hier reicht einfacher Zynismus völlig aus. Ein Weg, Bestechungsgelder zu zahlen, findet sich immer.

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Globalisten gegen Separatisten http://libertarian.blogsport.de/2017/01/26/globalisten-gegen-separatisten/ http://libertarian.blogsport.de/2017/01/26/globalisten-gegen-separatisten/#comments Thu, 26 Jan 2017 10:05:14 +0000 libertarian Allgemein http://libertarian.blogsport.de/2017/01/26/globalisten-gegen-separatisten/ Ich denke, Begriffe sind wichtig, und man sollte gut auf sie achten. Weil falsche Begriffe in die Irre führen. Und gerade wenn sich etwas verändert, sollte man darauf achten, dass eine Weiterverwendung der alten Begriffe nicht völlig daneben liegt. Bis hin zur Verwendung neuer Begriffe.

Und neue Begriffe braucht man, wenn sich die Zeiten so radikal ändern wie augenblicklich. Mit Trumps Präsidentschaft bricht eine neue Zeit an. Es geht um das Endstadium des amerikanischen Imperiums. Trump, das scheint nach der TPP-Kündigung absehbar, könnte werden, was Gorbatschow für das Sowjetimperium war: ihr Sargnagel.

Nur, wie bezeichnet man nun am besten die Seiten, die hier plötzlich miteinander kämpfen?

Soweit es die Auseinandersetzung in den USA selbst betrifft, scheint mir Pro-Amerikaner gegen Globalisten die genaueste, am wenigsten irreführende Bezeichnung der Seiten.

„Proamerikaner“ entspricht natürlich direkt Trumps Losung „America first“. Aber es stimmt durchaus auch inhaltlich. Denn das amerikanische Imperium ist eben nicht Amerika. Die Herrscher im amerikanischen Imperium sind ja die globalen Geldeliten, denen Nationalität völlig egal ist, und die einfachen Leute aus dem „Flyover America“ sind für sie genauso verachtenswertes Geschmeiß wie der ärmere Rest der Menschheit.

Manche sehen es als Widerspruch an, dass ein New Yorker Milliardär sich nun so darstellt, als wäre er deren Vertreter. Als wenn es darum ginge. Klar ist er Vertreter eine Gruppe, die sehr wohl zum amerikanischen Establishment gehört. Und dass er überhaupt an die Macht kam, verdankt er nicht nur seiner eigenen Milliarden, sondern vor allem auch der Unterstützung aus diesem Teil des Establishment. Der Punkt ist, dass dieser Teil des Establishment in einem weiteren Sinn eben die Interessen Amerikas vertritt. Es ist der pro-amerikanische Teil des Establishment, im Gegensatz zum globalistischen Teil.

Das amerikanische Imperium zerfällt

Solange alles gut ging mit dem amerikanischen Imperium, gab es zwischen ihnen keinen Konflikt. Warum sollte auch die pro-amerikanische Elite etwas dagegen haben, wenn Amerika die Welt regiert? Das ist ja schließlich etwas, womit man notfalls leben kann. Nur, mit dem amerikanischen Imperium ging es nun einmal abwärts. Unter Bill Clinton fing es langsam an, unter Bush setzte es sich fort, und unter Obama beschleunigte es sich noch. Ein Analytiker hat sogar schon ein Datum identifiziert, als es mit dem amerikanischen Imperium zu Ende gegangen ist, den 3. Oktober 2016:

3. Oktober. Russland zieht sich aus dem Plutonium-Vertrag zurück. Es geht um die Vernichtung von jeweils 34 Tonnen hoch angereichertem, waffenfähigem Plutonium. Aber das ist gar nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Russland dazu sagt: Wir können den Vertrag gerne wieder reaktivieren, nachdem die USA drei Bedingungen erfüllen:

  1. Die NATO aus Osteuropa abziehen.
  2. Alle Sanktionen gegen Russland aufheben und Reparationszahlungen für alle Sanktionen und alle Gegensanktionen zahlen.
  3. Aufzeigen, wie die USA selbst den Vertrag erfüllen können.

In dieser Reihenfolge.

Ich stimme zu, auch wenn ich das entscheidende Datum drei Tage später sehe. Denn am 4. Oktober 2016 existiert es noch, als die Washington Post, Sprachrohr der Globalisten, faktisch offen Militärschläge der USA gegen Syrien androhte. Ein bisschen verpackt, als Leak, aber das war schon vorher Stil solcher Drohungen.

Last Wednesday, at a Deputies Committee meeting at the White House, officials from the State Department, the CIA and the Joint Chiefs of Staff discussed limited military strikes against the regime as a means of forcing Syrian dictator Bashar al-Assad to pay a cost for his violations of the cease-fire, disrupt his ability to continue committing war crimes against civilians in Aleppo, and raise the pressure on the regime to come back to the negotiating table in a serious way.

Aber dann, am 6. Oktober 2016, kommt die russische Antwort darauf:

Russia currently has S-400 and S-300 air-defense systems deployed to protect its troops stationed at the Tartus naval supply base and the Khmeimim airbase. The radius of the weapons reach may be “a surprise” to all unidentified flying objects, Russian Defense Ministry spokesperson General Igor Konashenkov said.

“Therefore, any missile or air strikes on the territory controlled by the Syrian government will create a clear threat to Russian servicemen.”
“Russian air defense system crews are unlikely to have time to determine in a ‘straight line’ the exact flight paths of missiles and then who the warheads belong to. And all the illusions of amateurs about the existence of ‘invisible’ jets will face a disappointing reality,” Konashenkov added.

Eine solche Ansage kann sich ein Imperium nicht gefallen lassen. Amerika hat es jedoch geschluckt. Es erfolgte kein Angriff auf syrische Stellungen. Das Imperium hat keine Weltherrschaft mehr, die multipolare Welt hat begonnen.

Aber wo auch immer man das Ende der amerikanischen Weltherrschaft lokalisiert, in jedem Fall ist klar, dass es mit der amerikanischen Weltherrschaft zu Ende ging, und das ist auch schon länger klar.

Dadurch entstand jedoch eine neue Situation. Eine, in der die Interessen der Globalisten und der Pro-Amerikaner nicht mehr übereinstimmen. Für die Globalisten ist das amerikanische Imperium das, worum sie kämpfen, mit allen Mitteln. Für sie wäre klar, man müsste alles versuchen, um den Zerfall des Imperiums aufzuhalten, egal was es kostet, und insbesondere auch egal was die Folgen für Amerika selbst sind. Für die Pro-Amerikaner sieht die Situation jedoch anders aus. Herrscher eines Imperiums zu sein mag angenehm sein, aber Amerika selbst ist wichtiger. Und wenn das Imperium nicht mehr zu halten ist, dann muss man den Schaden für Amerika minimieren, der notwendigerweise mit dem Zerfall des Imperiums einhergeht.

Wer die Proamerikaner sind

Klar ist auch ein großer Teil des amerikanischen Volkes proamerikanisch. Nicht unbedingt alle – die Mehrheit, die für Clinton gestimmt hat, hat durchaus auch für eigene Interessen gestimmt, die eben nicht proamerikanische sein müssen, nur weil sie selbst Amerikaner sind.

Im Machtkampf wichtig sind jedoch die Proamerikaner, die Teil der Elite sind. Das sind nicht wenige. All die amerikanischen Großkonzerne, die noch wirklich, real, in Amerika produzieren. Die amerikanische Polizei, das FBI.

Nicht die für dreckige Operationen im Ausland zuständige CIA – deren Job sind gerade die Operationen, durch die sich die amerikanische Weltmacht in den letzten Jahren ganz besonders ausgezeichnet hat – Organisation von Farbrevolutionen, mit stetigem Übergang zur Unterstützung terroristischer Organisationen und Organisation von Bürgerkriegen.

Hingegen, was für mich erstaunlich ist, die Armee und der militärisch-industrielle Komplex. Und das obwohl sie selbst ja langfristig verlieren werden, wenn das amerikanische Imperium nicht mehr da ist, und die amerikanische Armee darauf beschränkt werden kann, was zur Verteidigung Amerikas wirklich notwendig ist. Ich vermute, das liegt einfach daran, dass gerade diese Armee, die ja weltweit das Imperium aufrechterhält, klar genug sieht, dass es gar nicht um amerikanische Interessen geht, sondern dass die militärischen Aktionen des Imperiums Amerika überall verhasst machen und Amerika selbst schaden. Die Waffenhersteller hingegen sind auch eine Industrie, deren Produktionsstätten in Amerika selbst liegen, und der Hauptauftraggeber ist der amerikanische Staat – und nicht das globalistische Imperium. Völlig unplausibel ist es also nicht, dass der militärisch-industrielle Komplex zumindest teilweise pro-amerikanisch ist.

Wie auch immer, damit ist die Seite, die Trump unterstützt, klar genug definiert und erkennbar: es sind die Proamerikaner. Und sie stehen gegen die Globalisten.

Warum Globalisten die beste Bezeichnung ist

Wie bezeichnet man nun die andere Seite? Sie selbst sehen sich als „liberal“, und defamieren ihre Gegner als Populisten. Schon das Wort „liberal“ für die amerikanischen Demokraten zu verwenden ist grob irreführend, der Unterschied zwischen diesem amerikanischen „Liberalismus“ und klassischem europäischen Liberalismus ist erheblich. Andererseits stand auch ein erheblicher Teil des Establishments der Republikaner offen auf Clintons Seite, und das amerikanische Imperium basierte auf beiden Parteien.

Sie sehen sich als Verteidiger „westlicher Werte“, insbesondere „Demokratie, freier Handel und offene Gesellschaften“. Geschenkt. Freier Handel ist, was die globalen Konzerne selbst wünschen. Der Rest ist lediglich das, was dem Imperium die Macht sichert: „Offene Gesellschaften“, insbesondere mit dem Heiligtum „Pressefreiheit“, erlauben es ihnen, die Massenmedien zu kaufen, und Demokratie, mit Hilfe dieser Massenmedien ihnen genehme Politiker an die Macht zu bekommen. Was das Gerede von „westlichen Werten“ selbst wert ist, hat die Ukraine gezeigt, wo ganz offen faschistische Banden unterstützt wurden, wenn es daran, nach der Unterstützung islamischer Fundamentalisten, sobald die gegen die Sowjetunion oder Russland und seine Verbündeten kämpften oder kämpfen, noch Zweifel gab.

Allerdings stellt dies auch klar, dass es ihnen nicht um Amerika geht. Es kommt ihnen eigentlich gar nicht darauf an, wo sich das Zentrum der Macht befindet. Sie sind nicht einmal selbst unbedingt Amerikaner. Amerika ist nur ein Land unter ihrer Kontrolle, ein Land, dessen Bevölkerung sie genauso verachten wie die aller anderen Länder. Amerika war lediglich, aufgrund seiner militärischen und ökonomischen Macht, die Basis für das Imperium. Ihr Ziel war eindeutig die Weltherrschaft.

Die stärkste Bastion der Globalisten ist aktuell die sogenannte „freie Presse“, oder auch „westliche Presse“. Diese hetzt augenblicklich gegen Trump mit derselben Intensität, wenn nicht sogar noch offener und noch tiefer unter der Gürtellinie als sie vorher gegen Putin hetzte. Und dies auch wegen seiner Losung, „America first“. Ironischerweise wird nun, mit Trump im Weißen Haus, von einigen ganz offen eine neue Führungmacht für die „freie Welt“ gesucht:

So applaudierte ihr die Financial Times in einem Leitartikel, weil Merkel den „Kampf für Demokratie, freien Handel und offene Gesellschaften“ aufgenommen habe und den Nationalisten Trump, Putin und Orbán nicht das Feld überlasse. „Es ist sicherlich ein historischer Moment, wenn eine deutsche Kanzlerin eine solche Rolle übernimmt“, schrieb das Londoner Blatt. „Sieben Jahrzehnte nach der Zerstörung Nazideutschlands ist Berlin erneut in der Lage über eine globale Führung nachzudenken, wenn auch vorsichtig.“

„Proamerikanisch“, was akzeptabel war, solange, vor Trump, die Spaltung in der amerikanischen Elite noch keine Rolle spielte, ginge anders. Deshalb scheint mir „Globalisten“ der genaueste Begriff zu sein.

Was haben die Feinde der Globalisten gemeinsam?

Wie nennt man aber nun diejenigen, die gegen die Globalisten kämpfen? Der Kampfbegriff der Globalisten ist „Populisten“. Das ist natürlich einfach nur Propaganda, und inhaltlich Quatsch. Denn all das, was inhaltlich den Populisten auszeichnet, findet sich auf Seiten der Globalisten genauso. Einfache Lösungen für komplexe Probleme sollen sie anbieten? Entschuldigung, die Losung des Establishment in Wahlkämpfen ist „weiter so“, auch nicht gerade komplex. Und ist „westliche Werte“ oder auch „europäische Werte“ etwa eine komplexe Antwort?

Die Klassifizierung als „rechts“ ist genauso inhaltlich daneben. Zu häufig sind die Gegenbeispiele, wie die Ukraine, wo die Globalisten rechtsextreme Bandera-Faschisten unterstützen, oder Syrien, wo sie fundamentalistische Islamisten gegen eine säkulare Regierung unterstützen, oder Griechenland, wo die antiglobalistische Syriza zur radikalen Linken gehört.

Antiglobalisten müssen keine Nationalisten sein, Nationalisten können hingegen Globalisten sein.

Die Klassifikation als nationalistisch ist auch falsch. Ohne Zweifel sind auch viele Nationalisten unter den Antiglobalisten. Nur gibt es auch genügend Antinationalisten unter ihnen.

Das wohl wichtigste Beispiel ist Russland. Russland ist ein klassisches Imperium. Auf seinem Territorium leben die verschiedensten Ethnien. Klassischer Nationalismus, der sich auf eine Ethnie stützen würde, würde die Einheit Russlands als Staat gefährden. So ist es kein Wunder, wenn einer der wichtigsten Vertreter der prowestlichen Opposition, Nawalny, Nationalist ist. Die russische Führung hingegen ist eindeutig anti-nationalistisch. So nahm beispielsweise Putin an der Einweihung einer Moschee in Moskau teil und erklärte dort den Islam als zu Russland gehörig – etwas, was Nationalisten in Russland genauso ablehnen wie hier in Deutschland.

Das andere Beispiel sind die verschiedensten Separatistenbewegungen. Sie richten sich gegen existierende Staaten, die sich selbst durchaus als Nationalstaaten ansehen. Sicher gibt es unter ihnen auch genug, deren Basis eine andere Ethnie ist – Südossetien, Abchasien, Neurussland, Pridnestrowje, Basken, Katalanen, Nordiren, Schotten. Allerdings gibt es auch andere Beispiele, wie die verschiedenen italinischen Separatistenbewegungen, denen man höchstens im Fall Südtirols eine ethnische Motivation zuschreiben könnte.

Ein drittes Beispiel sind Nationalisten, die auf Seite der Globalisten stehen. Der ukrainische und georgische Nationalismus sind hier klar erkennbare Beispiele. Auch die tibetischen und uigurischen Nationalisten werden von den Globalisten unterstützt.

Die Veränderung des Nationalismus

Wichtiger erscheint mir hier, dass die Ausrichtung des Nationalismus sich grundlegend verändert hat. Sicher, der Nationalismus beschwört eine Nation. Nur hatte der klassische Nationalismus das Ziel, alle Teile dieser Nation in einem Nationalstaat zu vereinen. Mit dem offen erklärten Ziel, diesen Nationalstaat zu einer militärisch starken Macht zu machen. Die Grundlage dafür war, dass ein auf nationalistischer Ideologie basierender Nationalstaat eine Wehrpfichtigenarmee aufbauen konnte, in der der Soldat eben kein Söldner mehr war, der, wenn er nicht mehr genug Geld kriegte, eben zu anderen Auftraggebern zog, die besser zahlten. Sondern ein sehr viel billigerer Wehrpflichtiger, der moralisch verpflichtet war, für die Nation zu kämpfen, und auch vom Gegner nicht als Söldner, den man vielleicht kaufen konnte, sondern als Erbfeind angesehen wurde.

Heute hingegen spielt die Wehrpflicht kaum noch eine Rolle, und eine Nation als solche hat faktisch keine Chance mehr, durch den Gewinn von Kriegen gegen andere Nationen Vorteile zu erlangen. Der militärische Aspekt des klassischen Nationalismus spielt keine Rolle mehr.

Der die Nation einigende Aspekt des klassischen Nationalismus hingegen hat sich hingegen in vielen Fällen umgekehrt. Insbesondere in Europa steht Nationalismus nicht mehr für Einigung, denn die Nationen sind schon lange geeinigt, und dort, wo sie es nicht sind (sagen wir mal Deutschland und Österreich), interessiert das die Nationalisten kaum noch. Nationalismus ist, im Gegenteil, spalterisch, der Hauptfeind ist die Europäische Union.

Die große Gemeinsamkeit der Antiglobalisten: Separatismus

Und damit kommen wir dazu, was die verschiedenen Feinde der Globalisten wirklich vereint: Sie alle sind Separatisten. Sie wollen für diejenigen politischen Einheiten, für die sie eintreten, Unabhängigkeit, Souveränität.

Dieses Bestreben nach Souveränität ist, was Putin offen als Ziel seiner Politik deklariert hat. Auch die chinesische Politik verweigert sich jede ausländische Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten. Die Wiederherstellung der Souveränität ihrer Staaten ist das Ziel der europäischen nationalistischen Bewegungen. Und auch die sonstigen Separatisten kämpfen, egal ob dafür eine Ethnie oder nur eine kulturelle Einheit die Grundlage ihrer politischen Einheiten ist, für deren Souveränität.

Die separatistische Internationale

Zwischen den vielen möglichen Separatismen kann es natürlich eine Menge Konflikte geben. Der deutsche Nationalist steht im Konflikt mit dem bayrischen Separatist, der wiederum mit dem fränkischen.

Trotzdem ist dieser Konflikt nicht so tiefgreifend wie es auf ersten Blick scheint. Denn der bayrische wie der fränkische Separatismus brauchen beide den Sieg gegen den Globalismus, weil dieser eine Voraussetzung ist für ihre Souveränität. Unter der EU müssen beide leiden. Und ob nun die Franken noch eine eigene Extrawurscht braten, dürfte den Bayern eigentlich egal sein, solange sie, und nicht die EU, in ihrem Dorf das Sagen haben.

Vorbild für beide sollte die Schweiz sein. Sie zeigt, dass recht verschiedene Kulturen durchaus über ihr eigenes Gebiet souverän genug entscheiden können. Eine politische Einigung zwischen verschiedenen Separatistenbewegungen ist also durchaus möglich, auf der Basis weitestgehender Dezentralisierung der Macht in den neu zu erschaffenden souveränen Einheiten.

Wenn selbst dort, wo die Wünsche nach Souveränität in direktem Konflikt miteinander stehen, eine Einigung gegen den Globalismus als dem gemeinsamen politischen Feind durchaus möglich ist, trifft dies erst recht für all die Separatisten zu, deren Territorien sich nicht einmal miteinander überschneiden. Sie stehen ja miteinander überhaupt nicht in Konflikt.

Insofern haben die Gegner des Globalismus durchaus eine Grundlage für eine Zusammenarbeit, für eine Vereinigung ihrer Kräfte. Für eine separatistische Internationale.

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Über den Sinn von „America first“ http://libertarian.blogsport.de/2017/01/24/ueber-den-sinn-von-america-first/ http://libertarian.blogsport.de/2017/01/24/ueber-den-sinn-von-america-first/#comments Tue, 24 Jan 2017 13:44:46 +0000 libertarian Allgemein http://libertarian.blogsport.de/2017/01/24/ueber-den-sinn-von-america-first/ Trump kommt ins Amt, und schon geht es los – TPP gekündigt. Und die Welt reagiert – Australien überlegt laut, ob man nicht doch, auch ohne die USA, TPP machen sollte, und, als Ersatz für die USA, China einladen sollte.

Die Medien flippen aus. Nunja, was soll man von Lügenmedien erwarten, die die Hauptstadt des Lügenimperiums, Washington, plötzlich von einem offenen Feind, der sie öffentlich Lügenmedien nennt, erobert sehen. Nicht darum soll es hier gehen. Auch nicht so sehr darum, was Trump so alles erzählt wenn der Tag lang ist. Ich tendiere dazu, all diese Widersprüche als durchaus sinnvolle, rationale Strategie anzusehen, um sein wichtigstes Wählerpotential – diejenigen, die von Politischer Korrektheit die Nase voll haben – zu erreichen, denn für normale Menschen in einer normalen Unterhaltung ist der eine oder andere Widerspruch nichts als ein Missverständnis, was man mit einfacher Nachfrage ausräumen kann, und die Lügenpresse, die einen solchen Widerspruch zum Skandal macht, wird ja von ihnen sowieso abgelehnt. Manche seiner „Widersprüche“ sind in dieser Hinsicht ja gezielte Fallen. Weil jeder normale Mensch ja weiß, dass ein „Ich werde der größte Stellenerschaffer sein, den Gott erschaffen hat“ nichts ist als eine harmlose, nicht wirklich ernst gemeinte Übertreibung, und auf die zu erwartende Verwendung dieser Phrase gegen ihn nur die Überzeugung, dass man es mit einer Lügenpresse zu tun hat, stärken wird.

Was mich hier interessiert, ist die Frage, inwieweit das, was man bisher von Trump gehört hat, und was nun mit der TPP-Kündigung reale Politik zu werden beginnt, Teil einer rationalen Strategie ist.

Klar kann ich nicht wissen, was Trump wirklich denkt. Also geht es hier einfach nur darum, ob es Teil einer rationalen Strategie sein könnte. Also darum, rationale Gründe aufzuzeigen, warum man, wenn man diese Gründe wirklich als rational akzeptiert, an Trumps Stelle genau so handeln würde, ja geradezu müsste, wie Trump. Solche rationalen Gründe gibt es. Also, betrachten wir die Welt so wie ich sie augenblichlich sehe (also wie ich denke, wie sie ist), und überlegen uns, was in dieser Welt das Beste wäre, was man für Amerika tun könnte.

Der Hauptpunkt dabei ist folgender: Wir hatten bisher, seit dem Zerfall der Sowjetunion, eine unipolare, US-dominierte Welt. Diese US-Dominanz ist mit Mitteln der Wirtschaft nicht mehr aufrechtzuerhalten, weil Russland wie China den Kommunismus zumindest in der Wirtschaft, und damit ihren Hauptnachteil im Kalten Krieg, aufgegeben haben, und somit wirtschaftlich aufholen konnten. Versuche, mit Mitteln moderner Polittechnologie (Farbrevolutionen, hybrider Krieg) die Weltherrschaft zu verteidigen, sind katastrophal gescheitert. Nicht nur haben sie nicht erlaubt, in Russland und China eigene Vasallen an die Macht zu bringen (im Fall Russland, Vasallen wie Jelzin an der Macht zu halten). Sie haben auch überall selbst da, wo sie erfolgreich waren (Libyen, Iraq, Afghanistan) nur zu einer Verschlimmerung, insbesondere auch zu einer Verstärkung antiamerikanischer Stimmungen, geführt.

Es ist in jedem Fall höchst rational, eine einmal so katastrophal gescheiterte Strategie aufzugeben. Die Frage wäre, ob es alternative Strategien gäbe, die Weltherrschaft zu erhalten. Die Antwort ist negativ. Die Strategie von Clinton und Co war einfach nur ein „weiter so“, ohne jede Rücksicht auf Verluste, im Gegenteil, mit noch schärferer Konfrontation mit Russland bis hin zum Krieg.

Dies ist in jedem Fall nicht nur verbrecherisch, sondern noch dazu dumm.

Nur, wie sähe nun eine rationale Strategie für Amerika aus, wenn man akzeptiert, dass der Versuch, die Weltherrschaft zu verteidigen, sowieso zum Scheitern verurteilt ist? Um das zu beurteilen, müssen wir betrachten, was auf die Welt wie auch auf Amerika zukommt, wenn Amerika die Weltherrschaft aufgibt.

Das Ende der amerikanischen Weltherrschaft ist eine große, epochale Veränderung. Eine in jedem Fall hochinteressante, höchst interessant aber eben auch im Sinne der klassischen Verfluchung „mögest du in interessanten Zeiten leben“ – also eine Zeit voller Krisen, voller unvorhersagbarer Ereignisse, Zeiten, in denen das, worauf man lange Zeit vorher fest vertrauen konnte, plötzlich nicht mehr gilt, eine Zeit, die für den Einzelnen (oder eben auch den einzelnen Staat) höchst unangenehm sein kann.

In solchen außergewöhnlichen Umständen verlieren Regeln, die für normale Zeiten richtig sind, ihre Geltung . Das wichtigste Beispiel für eine solche Regel für normale Zeiten, die in solchen Umbruchszeiten nicht mehr gilt, ist Ricardos Gesetz vom komparativen Vorteil. Das ist ein sehr allgemeines ökonomisches Gesetz, und, wie viele ökonomische Gesetze, hat es eine sehr solide Grundlage. Das heißt, wer einfach so, mit seiner Politik, dagegen verstößt, wird, einfach durch die Wirkung der „unsichtbaren Hand“ des Marktes, sehr rigorous dafür bestraft. Was es, grob gesagt, aussagt, ist, dass Handel gut ist, für beide Seiten, und Einschränkungen des Handels, beispielsweise durch Zölle, beiden Seiten schaden. Die Beweise dafür sind solide. So solide wie in der Mathematik. Aus den Voraussetzungen folgt die Behauptung, durch logische Herleitung. Kann es in unter solchen Umständen überhaupt Situationen geben, in denen das anders ist?

Ja. Denn es kann durchaus sein, dass die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Und dann bringt solch ein Theorem rein gar nichts.

Die Voraussetzung für Ricardos Theorem sind eigentlich, auf ersten Blick, nicht weiter problematisch. Zwei Staaten, die miteinander Handel treiben. Das Einzige, was sie möglicherweise daran hindert, sind Zölle. Man rechnet aus, was optimal für beide wäre, und bekommt das Ergebnis, Zoll = 0. Sogar noch schärfer, man rechnet aus, was für eine Seite optimal wäre, selbst wenn die andere Seite was auch immer für Zölle festlegt. Und bekommt ein Zoll = 0 nur für die eigenen Zölle raus. Also selbst Strafzölle als Reaktion auf Zölle des anderen Landes sind schädlich für das eigene Land.

Nur, inwieweit gilt dies noch, wenn man in einer Welt lebt, in der der Handel in ungedeckten Papiergeldwährungen erfolgt, und eine Auf- oder Abwertung der jeweiligen Währung im Vergleich zur anderen den Handel stark beeinflussen kann? Diese Möglichkeit ist nichts, was Ricardo betrachtet hätte. Sie kommt weder in den Voraussetzungen vor, noch könnte der Beweis irgendwas über sie aussagen. Gut, das ist normalerweise nicht weiter schlimm. Schließlich passieren solche Änderungen selten, zumindest nicht in größerem Ausmaß, und dass man vereinfachen muss, wenn man in solch komplexen Zusammenhängen wie der Ökonomie was beweisen will, ist eine Trivialität.

Der Punkt, der die Gültigkeit von Ricardos Theorem aushebelt, ist, dass das existierende Währungssystem beim Übergang zur multipolaren Welt voraussagbar zusammenbrechen wird. Und dass dieser Zusammenbruch für den Welthandel voraussagbar eine Katastrophe sein wird. Und wie schwer diese Katastrophe für den einzelnen Staat wird, hängt davon ab, wie stark er vom Handel abhängt. Also, je weniger man Handel mit anderen Nationen betreibt, desto weniger wird man im Fall einer globalen Währungskrise betroffen sein.

Betrifft dieses Problem allen Handel zwischen den Nationen gleichermaßen? Nein. Denn die Währungskrise, die droht, wenn die USA ihre Weltherrschaft aufgibt, ist eine sehr spezifische, mit dem Dollar als zentralem Element. Warum sollte eine Krise, die mit dem Dollar zu tun hat, den Handel zwischen Luxemburg und Deutschland kaputtmachen oder auch nur beeinflussen können, wenn dieser Handel sowieso in Euro stattfindet? Der Euro-Dollar-Kurs kann da schwanken wie er will, es wäre an und für sich egal. Die Auswirkungen, soweit es sie gibt, wären indirekt. Klar, auch indirekte Wirkungen können erheblich sein. Aber das, was für Ricardos Theorem wichtig ist, wäre unbeinflusst. Der Handel zwischen Luxemburg und Deutschland bliebe, zollfrei, für beide die beste Lösung.

Dasselbe gilt für Staaten, die zwar keine gemeinsame Währung haben, aber deren Währungen, voraussagbar, eng genug miteinander verbunden sind. Wird der Handel zwischen Belorussland und Russland darunter leiden, dass der Dollarpreis schwankt? Nur dann wenn er für die belorussische und die russische Währung verschieden schwankt. Nicht wenn er für beide auf dieselbe Art schwankt, weil der Grund für die Schwankung in Amerika liegt. Dann gibt es gar keinen sachlichen Grund, warum der Wechselkurs zwischen den beiden schwanken sollte. Und damit ist die Gültigkeit von Ricardos Theorem kein Problem.

Beides gilt jedoch nicht für Amerika. Die Währungskrise, die mit der Aufgabe des Dollars als Weltwährung verbunden ist, ist naturgemäß eine Krise des Dollars. Und damit ist zu erwarten, dass, wenn sie ausbricht, der Dollarkurs unvoraussagbar schwanken wird, und der Handel mit den USA höchst problematisch wird. In einem Maße problematisch, dass man Ricardos Theorem zumindest für die Zeit der Krise vergessen kann.

Was bedeutet dies für Amerika? Es bedeutet, dass man während der zu erwartenden Krise des Welthandels umso weniger betroffen sein wird, und damit umso besser dastehen wird, je geringer der Handel mit Amerika ist. Und somit, für Amerika selbst, die Folgen dieser Währungskrise dann minimal sind, wenn der Handel Amerikas mit anderen Staaten minimal ist. Eine ökonomisch gesehen isolationistische Politik ist als, angesichts der sowieso zu erwartenden schweren Wirtschaftskrise, die für Amerika optimale ökonomische Strategie.

Und damit kommen wir zu dem durchaus nichttrivialen Schluss, dass, trotz Ricardos Theorem, Isolationismus eine für die US-Wirtschaft höchst rationale Strategie ist, zumindest in der Übergangsperiode zu einer multipolaren Welt.

Die nächste Frage ist natürlich, ob das überhaupt noch funktionieren kann. Schließlich braucht ein solcher Isolationismus einige Zeit, bevor er überhaupt Resultate bringt. Er kann also nur funktionieren, wenn noch genügend Zeit dafür ist. Allerdings, die Gegenfrage steht natürlich auch, was es denn ändert, wenn dazu nicht mehr genügend Zeit ist. Die Katastrophe wäre dann eh da. Und bevor Amerika den Handel Amerikas mit der Welt wiederherstellen könnte, bliebe ihm nichts weiter übrig, als mit dem zu leben, was es selbst produziert – denn der Handel mit den USA wäre halt einfach zusammengebrochen.

Trotzdem sei gesagt, dass die USA mit einer rationalen Politik, die versucht, die Krise einfach nur herauszuzögern, und sich durch Isolationismus auf sie vorzubereiten, durchaus in der Lage wäre, die Krise in der Tat hinauszuzögern.

Wieso? Einfach weil zumindest im Prinzip die Dedollarisierung auch friedlich, ohne Krise, ablaufen könnte. Eine konfrontative Strategie, wie sie von Obama gegen Russland gefahren wurde, nötigt andere dazu, den Dollar aufzugeben, zu dedollarisieren. Russland hat gezeigt, dass dies durchaus geht. Allerdings auch, dass dies ein langsamer Prozess ist, der Zeit braucht. Mehr politische Konfrontation (wie Ausschluss Russlands aus Swift oder noch härtere Sanktionen, weswegen auch immer) würden diesen Prozess zwar beschleunigen. Aber dies hat Trump ja nun nicht vor. Vermeidet man hingegen Konfrontation, kann dies, die Dedollarisierung des Welthandels durchaus aufhalten.

Verhindern kann es sie nicht. Langfristig gibt es keinen Grund, sagen wir, für die Zentralbank von Laos, irgendwelche Reserven in Dollar zu halten, wenn der wichtigste Partner im Außenhandel China ist, und selbst das, was man aus den USA bezieht, eher von chinesischen Zwischenhändlern verkauft wird. Trotzdem wird einfach die Gewohnheit und Tradition den Prozess der Dedollarisierung verlangsamen – solange es eben keine Gründe gibt, ihn zu beschleunigen.

Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass die Dedollarisierung auch, zumindest für einige Staaten, ein Risiko an sich ist. Was wenn China, von einem Tag auf den anderen, alle US-Anleihen, die es besitzt, aufgrund einer politischen Entscheidung verkauft? Der Preis dafür fällt radikal. Keiner wird das Zeug mehr kaufen. Irgendwann, wenn es nur noch Schrottwert hat, kauft dann die FED das Zeug, einfach weil es die Knete dafür selbst drucken kann. Es wäre ein riesiges Verlustgeschäft für China. Und damit ist auch China selbst daran interessiert, die Dedollarisierung zu verlangsamen. Es wird US-Obligationen verkaufen – aber nur langsam, so dass der Preis dafür nicht zu rabiat sinkt. Und dabei wird es sich, ganz pragmatisch, danach richten, wie viele Dollarreserven es in seinem realen Außenhandel braucht. Was stark davon abhängt, wie schnell es seinen bisher über Dollar abgewickelten Handel mit allen anderen Ländern dedollarisieren kann – was, ohne politische Katastrophen, ein langsamer, evolutionärer Prozess ist.

Soweit man also politische Katastrophen vermeidet, kann man durchaus Zeit gewinnen, und die Dollarkrise verzögern. Sie völlig zu verhindern wird kaum möglich sein, dazu dürfte die Verschuldung der USA einfach zu hoch sein, eine Verschuldung, die es sich als Weltherrscher leisten konnte, als ein normales Mitglied der Weltgemeinschaft jedoch nicht mehr. Diese Verschuldung muss, und wird, beendet werden. Wie diese Verschuldung beendet werden wird, ist auch einigermaßen offensichtlich: Durch eine Entwertung der Schuldverschreibungen, also des Dollars.

Wie schnell sich das vollziehen wird, ist unklar, vor allem auch, weil so etwas unvoraussagbar explodieren kann. Schließlich ist einer der guten Gründe, die die Dedollarisierung verhindern, die Stabilität des Dollars im Vergleich zu den verschiedensten lokalen Währungen. Der kleine Mann legt seine Ersparnisse in Dollar an, nicht weil er proamerikanisch ist, sondern weil die Inflation in Dollar geringer ist als in der eigenen Währung. Nur, das ist eben das, was kaum langfristig aufrechtzuerhalten ist, wenn der Dollar nur noch eine unter vielen Währungen ist, und die Schulden des Staates USA astronomisch werden. Eine Inflation in Dollar wird langfristig nicht zu verhindern sein. Was passiert aber nun, wenn die Inflationsrate in Dollar höher wird als die in der eigenen Währung? Der kleine Mann verkauft seine Dollar und kauft die eigene Währung. Das bedeutet mehr Dollar auf dem Markt, und noch mehr Entwertung des Dollars. Und schon beginnt auch der kleine Mann aus dem Nachbarland, mit einer ein bisschen höheren Inflationsrate, aus demselben Grund seine Dollar zu verkaufen. Und so weiter. Die Dedollarisierung kann also jeden Augenblick (und ohne Voraussagemöglichkeit, wann das passiert) aus dem langsamen, evolutionären Modus ausbrechen und zu einem Zusammenbruch des Dollars samt Hyperinflation führen.

Der Zusammenbruch des Dollar ist somit jederzeit zu befürchten, aber möglicherweise, durch rationale Politik, lange herauszuzögern. Das Herauszögern bringt etwas, aber nur, wenn Amerika es, in dieser Zeit, schafft, mehr oder weniger autonom zu werden, und alle wichtigen Produktionszweige auf eigenem Territorium, gebunden an die eigene Währung, so zu entwickeln, dass ein Zusammenbruch des Welthandels (genauer, ein Zusammenbruch des Handels der Welt mit Amerika) keine Katastrophe für die amerikanische Bevölkerung wird.

Dies beschreibt aber ziemlich genau das, was wir von Trumps Strategie bisher wissen: Reduzierung der politischen Konfrontation mit Russland, andererseits ökonomischer Isolationismus.

Es erklärt auch einige Paradoxa: Beispielsweise dass Trump TPP kündigt. Eine offenbar ökonomisch isolationistische Maßnahme. Sie stärkt China: Australien hat gerade darüber spekuliert, ob man nicht TPP behalten sollte, obwohl die USA ausssteigt, und statt dessen China einladen sollte. Modulo Feinheiten von Vertragsdetails, entspricht diese Reaktion sowohl chinesischen wie auch australischen Interessen, warum also nicht. Nur, steht das nicht im Widerspruch zu Trumps Idee, China zu bekämpfen, wo der offensichtliche Effekt ja ist, China zu stärken?

Nicht wirklich, wenn das eigentliche Ziel eben nicht ein außenpolitisch-irrationales „China bekämpfen“ ist, sondern ein rationales „America first“ angesichts der Gefahr einer faktisch unvermeidbaren schweren Handelskrise als Folgerung der voraussagbaren Dedollarisierung der Welt. Denn in diesem Fall ist der Handel mit Australien genauso eine Gefahr für die USA wie der mit China – weil auch er im Fall einer solchen Krise zusammenbrechen wird. Hingegen ist die Nebenwirkung, nämlich der stärkere Handel zwischen China und Australien, für Amerika selbst kein Problem mehr. Er wäre nur ein Problem, solange Amerika Weltherrscher-Status beansprucht, und die beiden sich weigern, für ihren Handel untereinander Tribut (in Form von Verwendung von Dollar) zu bezahlen.

Mit der Aufgabe des Weltherrschafts-Anspruchs der USA wird der chinesisch-australische Handel für die USA also irrelevant. Und der Widerspruch zwischen der „Anti-China“-Rhetorik und der realen Politik der TPP-Kündigung, die China objektiv nützt, verfliegt.


Stört dabei antichinesische Politik?

Sicher zeigt der Trumpsche Wahlkampf noch einige andere scheinbare Widersprüche. Sind sie jedoch wirklich wesentlich?

So hat beispielsweise Trump etwas getan, was eigentlich für einen Diplomaten unentschuldbar wäre, der von den chinesisch-amerikanischen Beziehungen und chinesischen Empfindlichkeiten auch nur ein bisschen Ahnung hat: Er hat so getan, als hätte er kein Problem damit, Taiwan anzuerkennen.

Dies ist schwer zu beurteilen, insbesondere deshalb nicht, weil es hier die Chinesen sind, die ziemlich irrational auf Symbolpolitik bestehen, die niemandem wirklich etwas bringt. Faktisch ist Taiwan nun einmal ein unabhängiger Staat, ob es den Chinesen gefällt oder nicht.

Professionelle rationale Politiker, wie Putin, nutzen solche Irrationalitäten gezielt aus. So hat Putin inzwischen, nach dem Georgienkrieg, Südossetien und Abchasien diplomatisch anerkannt. Die faktisch genauso unabhängigen Staaten Nagorny Karabach, Pridnestrowje und Donbass werden jedoch noch nicht anerkannt. Eine reale Folge für das, was in der Realität, am Boden, passiert hat dies nicht. Faktisch wird der Donbass, trotz offiziell fehlender diplomatischer Unterstützung, wohl deutlich mehr unterstützt als Südossetien, was von Russland nicht mehr braucht und auch nicht unbedingt mehr will als militärischen Schutz vor georgischen Angriffen. Inwieweit Trump professionell genug ist, solche Irrationalitäten gezielt auszunutzen, möchte ich nicht beurteilen – es wäre einfach zu spekulativ.

Trotzdem, was folgt aus der Annahme, dass er es tut? Was wäre ein rationaler Grund, es zu tun? Dazu wäre zu sagen, dass Taiwan nun einmal Symbolpolitik ist, und dass man deshalb, modolo symbolpolitischer Konflikte, nicht wirklich etwas riskiert. Taiwan ist eigentlich der ideale Platz, um zu verheimlichen, dass man eine ganz fundamentale Entscheidung getroffen hat, eine Entscheidung, die zwar klug und rational ist, aber trotzdem dem amerikanischen Volk nach langjähriger Weltherrschaftpropaganda nur schwer verkauft werden kann: Dass man den Weltherrschaftsanspruch einfach so aufgibt. Die Freiheit der Taiwanesen zur Selbstbestimmung zu verteidigen – gibt es einen besseren Vorwand, zu zeigen, dass man nach wie vor überall auf der Welt amerikanische Werte vertritt?

Vor allem, es ist kein wirkliches Risiko. Auch die Chinesen wissen gut genug, dass die Unabhängigkeit Taiwans faktisch nun einmal existiert, und zwar die Chinesen selbst ein propagandistisches Problem haben, das zu akzeptieren, aber dass dies kein Hindernis ist für rationalen Umgang miteinander in Verhandlungen, in denen die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist.

Insofern ist ein Konflikt über die Unabhängigkeit Taiwans auch für die chinesische Führung weitaus weniger problematisch als eine reale Unterstützung der USA für Unabhängigkeitsbewegungen in Tibet, oder gar für uigurische Jihadisten – also das, was Obama angestellt hat.

Mit anderen Worten, wenn Trump tut was er sagt, also den islamischen Terrorismus bekämpft, aber statt dessen Taiwan anerkennt, ist dies für die Chinesen als solche insgesamt eher positiv. Die reale Gefahr – uigurischer Jihadismus – kann nun gemeinsam bekämpft werden. Der propagandistische Konflikt ist hingegen für die reale Welt uninteressant, Taiwan ist ja sowieso unabhängig, und das wissen auch die Chinesen.

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Wie die Zeit Kriegsverbrechen verheimlicht. http://libertarian.blogsport.de/2016/12/26/wie-die-zeit-kriegsverbrechen-verheimlicht/ http://libertarian.blogsport.de/2016/12/26/wie-die-zeit-kriegsverbrechen-verheimlicht/#comments Mon, 26 Dec 2016 17:47:32 +0000 libertarian Allgemein http://libertarian.blogsport.de/2016/12/26/wie-die-zeit-kriegsverbrechen-verheimlicht/ In einem Zeit-Artikel über Aleppo war ein Kommentator verwundert darüber, dass die Zeit nicht über ein Kriegsverbrechen berichtet, welches die von der Zeit propagandistisch unterstützten „moderaten Rebellen“ in Aleppo begangen haben. Sie haben nämlich die Kriegsgefangenen, die sie über die Jahre gemacht haben, nicht, wie ausgemacht, freigelassen, sondern ermordet. Hier ist ein Bericht über dieses Verbrechen.

Jemand fragte nach einer Quelle für dieses Verbrechen. Nun, ich wollte ihm eine Quelle geben:

Ich war zu diesem Zeitpunkt aus mir nicht bekannten Gründen, wohl für politisch unerwünschte Äußerungen, mal wieder unter Vorzensur gestellt worden. Also meine Kommentare wurden nicht gleich veröffentlicht, sondern erstmal begutachtet, und dann entschied die Moderation, ob sie sie veröffentlicht oder nicht.

Während die meisten Kommentare, die ich an dem Tag schrieb, schon veröffentlicht worden sind, bleibt dieser Versuch eines Kommentars unveröffentlicht. Wobei das kein Zufall ist, ich hatte vorher schon dasselbe versucht, ohne einen Screenshot zu machen, mit einer anderen Quelle. Beide sind bis jetzt unveröffentlicht.

PS: Immerhin, ein anderer Kommentator, wohl ohne Vorzensur-Regime, hat es geschafft, den unerwünschten Link durchzukriegen. Was halt eben auch zeigt, was für einen Unterschied die Vorzensur macht. In Zeitungen, wo alles nur mit Vorzensur durchgeht, hätte der Link keine Chance gehabt.

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Die Lügenpresse kann mit Kommentaren nicht mehr leben http://libertarian.blogsport.de/2016/12/22/die-luegenpresse-kann-mit-kommentaren-nicht-mehr-leben/ http://libertarian.blogsport.de/2016/12/22/die-luegenpresse-kann-mit-kommentaren-nicht-mehr-leben/#comments Thu, 22 Dec 2016 15:10:37 +0000 libertarian Allgemein http://libertarian.blogsport.de/2016/12/22/die-luegenpresse-kann-mit-kommentaren-nicht-mehr-leben/ Die Lügenpresse hat ja schon länger was gegen unzensierte Leserkommentare. Bei der Zeit hat man immer häufiger gar keine Möglichkeit zum Kommentieren mehr. Manchmal verschwinden auch Kommentare – und das radikal, gleich alle zu einem Artikel. Sie waren mal da, und sogar noch einige Zeit nach Löschung der Kommentare konnte man bei deren Autoren noch die Spuren dieser Kommentare sehen – jedoch nur mit Links, die nur noch zum kommentarlosen Artikel führten:

Aktuell wird sogar ein Bericht über eine UN-Resolution zu Syrien kommentarlos gelassen. Klar, heutzutage ist auch eine Berichterstattung über eine UN-Resolution zu Syrien, früher mal was wo man überhaupt nicht auf die Idee gekommen wäre, viel was anderes zu tun als die Fakten zu berichten, notwendigerweise verlogen. In diesem Fall fängt das mit dem Bild dazu an:

Darunter steht dann „Nach einer Explosion in Aleppo trägt ein Mann ein verletztes Kind auf dem Arm. © Ameer Alhalbi/AFP/Getty Images“

Kennen wir das Bild nicht schon? Ist das nicht der inzwischen berühmt gewordene Kinderstar von den Weißhelmen, der immer die Rolle des Kindes in den Bilderserien „Weißhelm rettet Kind aus Ruinen“ spielt? Ja, stimmt, Treffer, hier und hier sehen wir noch ein bisschen mehr vom Originalbild:

Das Bild ist somit ein klassisches White Helmet Fake, mit einem Kinderstar, den man schon von vielen anderen Fakes kennt. Genauer, ein Ausschnitt davon – das Auto mit dem „White Helmet“ Symbol hat man schnell mal weggeschnitten. Hat sich wohl schon bis in die Redaktion rumgesprochen, dass die Weißhelme schon so diskreditiert sind, dass sowas den Artikel schon von vornherein zur Lüge stempelt.

Also handelt es sich hier nicht um ein verletztes Kind, sondern einen geschminkten Kinderdarsteller, und der Mann selbst ist auch ein Schauspieler.

Und der Fotograph Ameer Alhalbi ist der Kameramann bei diesen Fakes. In dessen Bildersammlung sich ja, wie ich sehe, noch einige Ergänzungen zur Sammlung der neuen Fotokunstrichtung „Weißhelm rettet Kind aus Trümmern“ (hier eine schöne Sammlung von 44 Exponaten) finden.

Dass man nicht möchte, dass die Leser sowas kommentieren, kann man doch nachvollziehen, denke ich.

Tja, so degeneriert sie halt, die Presselandschaft der BRD, in einen Zustand, wie man ihn aus der DDR kennt, wo man nur ein paar wenige, von den Redaktionen ausgewählte Leserkommentare finden konnte.

Dabei fing es ja eigentlich gut an. Mit der Entstehung der Online-Versionen der Zeitungen gab es eigentlich überall auch Kommentarmöglichkeiten. Klar wurde ziemlich schnell auch moderiert. Aber anfangs diente das durchaus wirklich nur dem Ziel, den Ton der Diskussion etwas zivilisiert zu halten, ohne dass allzu viele Inhalte moderiert wurden. Und auch wenn man inhaltliche Zensur befürchtete, man konnte erstmal Kommentare posten, sie blieben wenigstens ein bisschen sichtbar, Zeit genug für einen Screenshot, mit dem man dann die Moderation, wenn sie politisch zensierte, hätte bloßstellen können. Es war durchaus eine Zeit wenn auch nicht freier Presse, so doch wenigstens einigermaßen freier Kommentare. Was die Kommentare oft hochinteressant machte, deutlich interessanter als die Artikel selbst.

Diese Zeiten sind in Deutschland schon lange vorbei. Es ware die Zeit der Ukraine-Krise, als die Lügen in der Presse so krass wurden, dass man mit der Möglichkeit der Leser, diese in den Kommentaren bloßzustellen, nicht mehr leben konnte. Und so wurden die Kommentare auf Vorzensur umgestellt. Seit dem kann man sich die Kommentare in den Medien mit Vorzensur eigentlich schenken.

Die Zeit machte lange Zeit eine Ausnahme. Sie hat zwar ein paar Tage lang Vorzensur bei Neuanmeldungen, aber das dauert nicht so lange, und danach hat man Kommentare, wie früher, ohne Vorzensur.

Die Syrienberichterstattung wurde allerdings mit der Zeit immer schlimmer und verlogener. Inzwischen war der Widerspruch zwischen Bericht und Kommentaren so katastrophal für die Zeit, dass man beschlossen hat, faktisch für alle Berichte über Syrien die Kommentare gar nicht erst zuzulassen.

Und wenn sowas erstmal einreißt, geht es natürlich schnell weiter. Die Zeiten, zu denen es in der deutschen Lügenpresse noch möglich war, die Lügen in Kommentaren zu korrigieren, sind wohl endgültig vorbei.

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Glückwunsch an die Briten! http://libertarian.blogsport.de/2016/06/24/glueckwunsch-an-die-briten/ http://libertarian.blogsport.de/2016/06/24/glueckwunsch-an-die-briten/#comments Fri, 24 Jun 2016 11:30:34 +0000 libertarian Allgemein http://libertarian.blogsport.de/2016/06/24/glueckwunsch-an-die-briten/ Gratulation. Ihr habt etwas geschafft, was ich für unmöglich hielt: Eine Volksabstimmung gegen das Establishment zu gewinnen – und das, noch dazu, mit einem geradezu hauchdünnen Vorsprung. Ich hatte erwartet, dass ein Vorsprung, um dann auch im offiziellen Endergebnis Vorsprung zu bleiben, mindestens 5% betragen müsse. Hier haben schon knapp 2% schon gereicht.

Oder waren es vielleicht doch mehr, so viel, dass man den schon gestarteten Wahlfälschungsversuch abbrechen musste, weil er zu auffällig geworden wäre?

Was es für die EU bedeutet

Was bedeutet dies für die EU? Eins ist klar, Deutschland wird stärker. Frankfurt (Main) wird sich freuen, mit den Briten außerhalb der EU kann man die Londoner Börse aus dem europäischen Markt verdrängen. Da die Briten die wohl engsten Verbündeten der USA überhaupt sind, wird der US-Einfluss auf die EU geringer.

Weniger US-Einfluss ist in jedem Fall gut. Es ist nicht nur weniger US-Einfluss auf die EU, sondern auch auf Deutschland selbst – mehr Macht für Deutschland innerhalb der EU bedeutet ja auch weniger indirekte Macht über Deutschland auf dem Umweg über die EU.

Die EU bewegt sich damit weg von einer US-Kolonialverwaltung in Richtung deutscher Kolonialverwaltung. Das ist natürlich nichts, was im Rest von Europa zu mehr Begeisterung für die EU führen dürfte. Nicht umsonst hat der Ungar Orban ja klar gegen des Brexit geworben. Und somit ist auch zu erwarten, dass sich EU-feindliche Stimmungen überall verstärken. Eine EU, in der man die Deutschen gegen Franzosen und Engländer ausspielen kann, um eigene Interessen durchzusetzen, ist was anderes als eine, in der Deutschland der Boss ist. Um dagegen zu wirken, müsste Deutschland draufzahlen. Was sie sicherlich tun werden, solange sie meinen, das bringe ihnen genügend Vorteile. Aber nicht länger. Irgendwann werden sie mal genug haben, wie die Briten seinerzeit von ihrem Kolonialsystem, und dann ist die EU Geschichte.

Was es für die Briten bedeutet

Die schottische Unabhängigkeitsbewegung hat neuen Auftrieb bekommen – sie könnten noch einmal versuchen, ein neues Referendum durchzusetzen, und dann mit einem EU-Beitritt Schottlands für eine Abspaltung werben. Ob die EU dann darüber besonders erfreut wäre, ist die Frage – Schottland alleine dürfte wohl eher ein Zuschussgeschäft werden.

Wie auch immer, auch innerhalb des Königreiches verspricht das Brexit mehr Abspaltung.

Warum Abspaltung generell gut ist

In jedem Fall ist der Brexit insgesamt gesehen positiv – große politische Objekte sind in jedem Fall korrupter als kleine, ein einfaches ökonomisches Gesetz: Der Wert einer politischen Entscheidung für die Wirtschaft ist proportional zur Einwohnerzahl, das Bestechungsgeld, welches die Wirtschaft bereit ist, dafür anzubieten, somit auch, während die legalen Einkünfte der Entscheidungsträger keineswegs proportional zur Bevölkerung zunehmen – dazu reicht es, die Einkommen von Dorfbürgermeistern und Politikern zu vergleichen. Und damit ist das Verhältnis von angebotener Bestechungssumme und legalem Einkommen für Politiker großer politischer Einheiten deutlich größer.

Man könnte einwenden, dass ja auch die Zahl der Politiker größer wäre in einem großen Staat. Auch wenn Merkel nicht mehr als 80 Mio im Monat verdient, die sie kriegen müsste, wenn sie proportional zu einem für 1000 Leute verantwortlichen Dorfbürgermeister bezahlt wird, der sicher mehr als 1000 pro Monat verdient, die Gesamtzahlungen für den Wasserkopf in der Zentrale dürften noch deutlich darüber liegen. Aber das ist ja nicht worauf es ankommt. Jede konkrete reale Entscheidung wird immer nur von wenigen getroffen. Und jede konkrete Firma ist immer nur an wenigen konkreten einzelnen Entscheidungen interessiert. Der Auftrag an eine Firma, die kleine Formulierung in der Regulierungsvorschrift, die ihren Konkurrenten schadet, darüber entscheidet kein Parlament, selbst wenn es soetwas formal abnicken dürfte, sondern die wenigen, die die Vorlage dazu schreiben.

Also, je kleiner die politischen Einheiten, desto weniger korrupt können sie sein. Sicher kann auch ein Dorf völlig korrupt sein. Aber ein großer Staat muss einfach korrupt sein, anders geht es nicht. Ein Dorf muss es nicht.

Und natürlich bedeutet Sezession auch immer mehr Freiheit der Auswahl, eine Vergrößerung der Zahl der Plätze auf der Welt, wohin man emigrieren kann, ohne dort unbedingt denselben Mist staatlicher Überregulierung vorzufinden wie vorher.

Nur, bedeutet es das überhaupt?

Nach dieser unerwarteten freudigen Überraschung kommen natürlich schnell wieder Zweifel auf. Vermutlich wird der Austritt ja gleich erstmal bis Oktober hinausgezögert – das Schema ist ja schon klar, Cameron tritt komischerweise erst im Oktober zurück, und überlässt die Erklärung des Austritts dann dem Nachfolger. Also wohl niemandem. Bis dahin wird man sich dann was einfallen lassen. Alles was schlechtes passiert, ist wegen des Austritts, und daher muss man dann im Oktober nochmal abstimmen.

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Wie Regeln entstehen http://libertarian.blogsport.de/2016/04/19/wie-regeln-entstehen/ http://libertarian.blogsport.de/2016/04/19/wie-regeln-entstehen/#comments Tue, 19 Apr 2016 16:30:15 +0000 libertarian Allgemein http://libertarian.blogsport.de/2016/04/19/wie-regeln-entstehen/ Einfach mal eine Beschreibung eines Fall, den ich mit „spontane Entstehung von Regeln“ beschreiben könnte.

Der Ort: Straßenverkehr in Ägypten. Für jemanden, der deutsche Ordnung gewöhnt ist, ist es einfach nur das reine Chaos. Wer eine deutsche Fahrerlaubnis hat und meint, damit in Ägypten Auto fahren zu können, macht einen Fehler, der eventuell schwere Auswirkungen haben kann. Ich hab es gar nicht erst probiert, schon das Überqueren von Straßen als Fußgänger ist etwas was man neu lernen muss – wenn man es allerdings gelernt hat, kommt man sicher über Straßen mit einem Verkehrsaufkommen einer Autobahn, und das ohne jede Ampel oder Fußgängerübergang.

Was mir als Beifahrer zuerst auffiel, war, dass in Ägypten zwar Rechtsverkehr herrscht, man es allerdings selbst damit nicht allzu genau nimmt. Von der Frage rechts oder links überholen mal ganz zu schweigen.

Aber das, was mich motiviert hat, diesen Artikel zu schreiben, was eine Situation wo es ganz offenbar eine lokale Regel gab – „hier ist Linksverkehr“. Die Regel funktionierte ohne jedes Verkehrszeichen, offenbar auch ohne jede offizielle Anordnung, sie funktionierte einfach so. Aber sie funktionierte. Zumindest über längere Zeit hinweg – ich fuhr, als Beifahrer, oft genug an jener Stelle vorbei, und es herrschte die ganze Zeit an dieser Stelle Linksverkehr.

Hier erst einmal der Versuch einer technischen Erklärung, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass an dieser Stelle Linksverkehr herrschte.

Es gibt in Ägypten eine Menge Kanäle. Da sich, natürlich, sowohl am rechten wie am linken Ufer Leute bewegen, gibt es auf beiden Seiten Straße. Und wo es in Ägypten nun einmal Rechtsverkehr gibt, ist klar, dass sich als offizielle Regelung anbietet, dass die beiden Straßen auf den beiden Seiten einfach nur die rechte und linke Fahrbahn einer einzigen offiziellen Straße sind.

Was macht aber nun der, der einfach nur auf seiner Seite ein paar Meter in die offiziell falsche Richtung fahren will? Den offiziellen Regeln nach müsste er eigentlich erstmal in die falsche Richtung bis zur nächsten Brücke fahren, dort die Seite wechseln, auf der anderen Kanalseite dann weiter bis zur nächsten Brücke fahren, und dann vermutlich auch noch wieder zurück. Auf sowas käme aber wohl nur ein Deutscher. Für einen normalen Menschen kommt sowas eigentlich nicht in Frage. Der fährt einfach ein paar Meter auf der falschen Seite.

Womit wir zur nächsten Frage kommen: Auf welcher Seite fährt man, wenn man aus dem obenbeschriebenen Grund auf der falschen Seite fährt? Auf der rechten? Na hallo, man kommt von links, man will nach links. Die Straße ist viel befahren, auf die rechte Seite der linken Kanalseite zu wechseln, und das gleich zwei mal kurz hintereinander, scheint wenig sinnvoll. Woraus sich recht natürlich die Regel ergibt, dass man, wenn man auf der linken Seite des Kanals fährt, links fährt. Das spart nicht nur das zweimalige Überqueren des Verkehrsflusses ein, es bietet auch mehr Raum zum Ausweichen: Nicht vergessen, man verstößt ja gegen die offizielle Straßenverkehrsordnung, die anderen nicht, da ist man es selbst, der auszuweichen hat. Wenn man rechts fährt, führt ein Ausweichen direkt in den Kanal. Keine gute Idee. Links hingegen ist der Bürgersteig oder ein Feld oder was auch immer, zumindest in der Regel ungefährlicher als ein Kanal.

Kommen wir nun zum konkreten Streckenabschnitt. Es gibt in Ägypten auch einen Staat, der Straßen baut und instand hält. Was allerdings nicht bedeutet, dass die Straßen in der Regel gute Qualität hätten. Was durchaus vorkommt, ist, dass der Staat sich beim Instandhalten sich etwas Zeit lässt, und im speziellen Fall sah es so aus, dass die eine Seite inzwischen instandgesetzt und einigermaßen befahrbar war, die andere jedoch nicht.

Warum sollte man aber nun die nächsten zwei Kilometer auf einer Schrottpiste fahren, wo man wegen der Fahrbahnschäden nur mit halber Geschwindigkeit fahren kann, wenn die andere Seite faktisch neu ist? Weil das von der Polizei so vorgeschrieben ist? Wieder mal eine typisch deutsche Idee, die dort niemandem in den Sinn kommt. Man fährt natürlich auf die andere, bessere Seite. Aber auf welcher Seite fährt man, wenn man nunmal auf der falschen Seite fährt? Na siehe oben, die lokalen Regeln sind klar genug, wer auf der falschen Seite fährt, fährt links.

Und so ergab sich das folgende Bild: Ganz normaler Rechtsverkehr solange auf beiden Seiten des Kanals die Straße erträglich war. An der Abschnitt, an dem die linke Kanalseite weitaus besser war, fuhr man über die Brücke, und auf der anderen Seite links, solange bis die Straße auf der rechten Seite wieder erträglich war, dann fuhr man wieder über die Brücke auf die rechte Seite. Und das alles war ansonsten völlig normaler, fließender Verkehr, vom Verkehrsaufkommen kaum unterscheidbar von einer normalen deutschen Straße. Wenn einer an dieser konkreten Stelle rechts gefahren wäre, wäre er der Geisterfahrer gewesen.

Für mich eine schöne Illustration wie Regeln entstehen. Eine staatliche Autorität, die sie durchsetzt, ist dazu nicht erforderlich. Würde sie überhaupt eine Meinung dazu haben, wäre sie voraussagbar eine ganz andere: All die, die auf der linken Seite links fahren, verstoßen gegen die Straßenverkehrsordnung, sind zu bestrafen und auf die rechte Seite des Kanals zu verweisen. Nur, sie spielte bei dieser lokalen Modifikation der ägyptischen StVO überhaupt keine Rolle.

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Kartenspiel zu MH17 http://libertarian.blogsport.de/2015/10/13/kartenspiel-zu-mh17/ http://libertarian.blogsport.de/2015/10/13/kartenspiel-zu-mh17/#comments Tue, 13 Oct 2015 18:45:19 +0000 libertarian Allgemein http://libertarian.blogsport.de/2015/10/13/kartenspiel-zu-mh17/ Nachdem mich ein paar Typen mit der Behauptung genervt haben, es sei erwiesen, dass die Buk (wenn es denn, wohlgemerkt, eine war) von neurussischem Gebiet abgeschossen wurde, hab ich mir mal die Karten dazu rausgesucht.

Erstmal haben wir zwei Karten. Eine Karte ist von der BUK-Herstellerfirma Almaz-Antey (genauer die Region von mir vom Original kopiert):

Wenn ich dahin fahren will, nehme ich vermutlich die Straße rechts, die Frage wäre also, wer zu dem Zeitpunkt Welikaja Schischowka gehalten hat. Die Antwort gibt es im Netz, zumindest vom 16.Juli 2014: „Несколько РСЗО „Град“ ополчения нанесли удар по блокпосту „нацгвардии“ у села Великая Шишовка в 6 км. южнее г. Шахтерск“ also einige Raketenwerfer „Grad“ der Milizen haben einen Schlag gegen einen Blockposten der Nationalgarde beim Dorf Welikaja Schischowka 6 km südlich von Schachtjorsk geführt. Bingo.

Auch eine weitere Quelle berichtet davon: „У Амвросиевки (ДНР) в районе с. Большая Шишовка в это же время Градами накрыли колонну укров.“ Also bei Amwrosiewka im Gebiet Bolschaja Schischowka wurde eine Ukie-Kolonne abgeschossen.

Ach so, die „Novaja Gaseta“ (eine prowestliche russische Zeitung) wollte die Theorie von Almaz-Antey widerlegen und machte sich auf ins Dorf Sarotschenskoje, um die Leute dort zu befragen. Nun, in dem Dorf hatten sie nichts gesehen. Dort war weder ukrainisches Militär noch neurussische Milizen. Wozu auch, bei diesem kleinen Nest? Ok, die „Novaja Gaseta“ meinte, so gezeigt zu haben, dass dort keine Ukrainer waren. Allerdings halt auch keine DNR. Und die Ukrainer würden natürlich die Straße vom Süden nehmen, und würden dabei in Sarotschenskoje sowieso nicht vorbeigucken. Die DNR hingegen müsste es – auf der Straße rechts hätten sie erst den Kontrollposten überwinden müssen, um in das Gebiet zu kommen, der andere Weg wäre über Sarotschenskoje gegangen.

Die andere Karte ist die auf Seite 144 des niederländischen Reports über den Abschuss:

In den Medien hört man „bei Sneshnoje“, und das war in der Hand der Milizen. Aber Sneshnoje ist, wie man sieht, nur das oberste Ende des Gebiets. War denn das ganze kritische Gebiet in der Hand der Milizen? Sieht nicht so aus. Die folgende Karte findet sich auch am 16.Juli bei Colonel Cassad:


Den großen dunklen Fleck im unteren Teil der Region, in der die BUK laut dem Bericht gestanden haben solle, kann man unten links als grünen Fleck leicht identifizieren – und der war offenbar nicht von den Milizen besetzt. Also ein Beweis wäre auch dies nicht – lediglich ziemlich plausibel wäre es, dass die Ukrainer keine Luftabwehr so nahe an den Stellungen der Milizen hinstellen würden. Nur, andererseits, wenn man was abschieben und das dann den Milizen in die Schuhe schieben will, wäre genau das auch wieder recht logisch.

PS: Laut Rusvesna wurde von Basurin, also vom Verteidigungsministerium der DVR, eine erbeutete Karte vorgestellt, auf der Positionen ukrainischer BUKs eingetragen sein sollen, eine davon bei Saroschtschenskoje. Leider ist der Scan ziemlich ungenau:

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Und zur Abwechselung wie man über Statistiken berichtet http://libertarian.blogsport.de/2015/10/08/und-zur-abwechselung-wie-man-ueber-statistiken-berichtet/ http://libertarian.blogsport.de/2015/10/08/und-zur-abwechselung-wie-man-ueber-statistiken-berichtet/#comments Thu, 08 Oct 2015 16:47:07 +0000 libertarian Allgemein http://libertarian.blogsport.de/2015/10/08/und-zur-abwechselung-wie-man-ueber-statistiken-berichtet/ Mehrheit der Syrer flieht vor Assad titelt die Zeit, und schreibt dazu:

Der Hauptgrund für die Flucht von Syrern nach Deutschland ist einer Umfrage zufolge die Gewalt seitens des syrischen Machthabers Bashar al-Assad. Bei einer Umfrage haben 92 Prozent der Befragten angegeben, vor bewaffneten Auseinandersetzungen geflohen zu sein, erklärte …

Auch der Spiegel macht mit und titelt Syrische Flüchtlinge in Deutschland: Die meisten fliehen vor Assad – nicht vor dem IS.

Was steckt dahinter: Zur Organisation, die die Umfrage durchführte, schreibt die Zeit folgendes: „“Adopt a Revolution“ versteht sich als Unterstützerorganisation der syrischen Opposition. Sie gilt als den gemäßigten Rebellengruppen nahestehend.“ Also eine Umfrage, durchgeführt von Leuten, die nicht mal behaupten, neutral zu sein. Aber, geschenkt, das ist nicht der Punkt, der mich bewegt hat, darüber einen Artikel zu schreiben.

Auf die Befragung selbst kann man im Netz zugreifen, und wenn man ein bisschen nachdenkt, kommt man zu einem etwas anderen Schluss als die Reporter.

Sehen wir uns einfach mal die eigentlich interessante Statistik an, nämlich „Wer war für die Kämpfe verantwortlich?“ Der wichtige Punkt dabei ist: Mehrfachnennungen sind möglich. Wie viele Leute haben Mehrfachnennungen gemacht? Die 16,3%, die mit „weiß ich nicht“ werden es kaum sein, betrachten wir also die restlichen 83,7%. Die anderen Nennungen summieren sich auf 151,7%. Also kämen wir schon auf 1,8 Nennungen im Durchschnitt. Was eine völlig natürliche Zahl ist – es bricht ein Kampf in der Nähe des Ortes aus, wo man lebt – und man flieht. Der Kampf findet normalerweise statt zwischen 2 Parteien. Wenn solch eine Person angibt, wer für die Kämpfe verantwortlich ist, wird sie die beiden Parteien angeben, die dort miteinander gekämpft haben.

Wie hoch ist nun die Wahrscheinlichkeit, dass eine der beiden genannten Parteien die syrische Armee ist? Angesichts der Tatsache, dass sie anfangs ja mal das ganze Land kontrolliert hat, und aktuell aus vielen Gebieten vertrieben ist, recht hoch. Der Großteil der Leute, die fliehen, fliehen wenn die Kämpfe ausbrechen, also zu einem Zeitpunkt, also vermutlich als die syrische Armee das Gebiet noch kontrollierte und dann von den Rebellen vertrieben wurde. Die Zahlen, also die 69,5%, ergeben 45,8% von den 151,7%. Also nichts anderes als was eigentlich zu erwarten ist, wenn man fragt, wer sich denn in den Kämpfen, vor denen man geflohen ist, bekämpft hat.

Ein ähnliches Problem mit Doppelnennungen hat auch die Frage, ob man Angst hat „festgenommen oder entführt zu werden“. In der Studie liest sich das so:

Das Assad-Regime ist zudem mit Abstand derjenige Akteur, von dem die Befragten am meisten Angst hatten, festgenommen oder entführt zu werden (77%), gefolgt von IS mit 42%. … Weitere bewaffnete Gruppen wurden bei Fragen sowohl nach Kämpfen, als auch nach Festnahmen bzw. Entführungen mit deutlich unter 20% genannt.

Die „deutlich unter 20%“ summieren sich, wie genau, ist schwer zu sagen, weil diese Tabelle in der Umfrage fehlt.

Wie die Zeit darüber berichtet, ist bemerkenswert:

Gut drei Viertel der Flüchtlinge gaben als Fluchtgrund die Befürchtung an, vom Assad-Regime festgenommen zu werden, nur 42 Prozent fürchteten in Syrien eine Entführung durch den IS.

Gaben sie das wirklich? Hier kommt der nächste Aspekt. Was schreibt die Befragung selbst?

„Die mit Abstand am häufigsten angegebene Fluchtursache ist Gefahr für Leib und Leben.“ Die Zahl dazu ist 68.6%.

„Die Befragten bezeichnen jeweils den bewaffneten Konflikt (92%), die Angst vor Verhaftungen und Entführungen (86%) sowie Fassbomben (73%) als unmittelbare Gefahr für ihr Leben.“

Also, aus Angst vor Verhaftungen und Entführungen flohen 86% von denen, die wegen „Gefahr für Leib und Leben“, also von 68,6%, macht 59%. Und von diesen 59% gaben 77% Angst vor Verhaftung speziell durch das Assad-Regime an, macht also 45,4% der Flüchtlinge insgesamt, nicht einmal die Hälfte.

Wie üblich, die NATO-Lügenpresse gibt sich nicht damit zufrieden, einfach nur Befragungen von pro-NATO-Organisationen zu verbreiten, sie manipuliert auch noch die Ergebnisse der Befragung selbst in ihrer Darstellung.

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