Glückwunsch an die Briten!

Gratulation. Ihr habt etwas geschafft, was ich für unmöglich hielt: Eine Volksabstimmung gegen das Establishment zu gewinnen – und das, noch dazu, mit einem geradezu hauchdünnen Vorsprung. Ich hatte erwartet, dass ein Vorsprung, um dann auch im offiziellen Endergebnis Vorsprung zu bleiben, mindestens 5% betragen müsse. Hier haben schon knapp 2% schon gereicht.

Oder waren es vielleicht doch mehr, so viel, dass man den schon gestarteten Wahlfälschungsversuch abbrechen musste, weil er zu auffällig geworden wäre?

(mehr…)

Wie Regeln entstehen

Einfach mal eine Beschreibung eines Fall, den ich mit „spontane Entstehung von Regeln“ beschreiben könnte.

Der Ort: Straßenverkehr in Ägypten. Für jemanden, der deutsche Ordnung gewöhnt ist, ist es einfach nur das reine Chaos. Wer eine deutsche Fahrerlaubnis hat und meint, damit in Ägypten Auto fahren zu können, macht einen Fehler, der eventuell schwere Auswirkungen haben kann. Ich hab es gar nicht erst probiert, schon das Überqueren von Straßen als Fußgänger ist etwas was man neu lernen muss – wenn man es allerdings gelernt hat, kommt man sicher über Straßen mit einem Verkehrsaufkommen einer Autobahn, und das ohne jede Ampel oder Fußgängerübergang.

Was mir als Beifahrer zuerst auffiel, war, dass in Ägypten zwar Rechtsverkehr herrscht, man es allerdings selbst damit nicht allzu genau nimmt. Von der Frage rechts oder links überholen mal ganz zu schweigen.

Aber das, was mich motiviert hat, diesen Artikel zu schreiben, was eine Situation wo es ganz offenbar eine lokale Regel gab – „hier ist Linksverkehr“. Die Regel funktionierte ohne jedes Verkehrszeichen, offenbar auch ohne jede offizielle Anordnung, sie funktionierte einfach so. Aber sie funktionierte. Zumindest über längere Zeit hinweg – ich fuhr, als Beifahrer, oft genug an jener Stelle vorbei, und es herrschte die ganze Zeit an dieser Stelle Linksverkehr.

Hier erst einmal der Versuch einer technischen Erklärung, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass an dieser Stelle Linksverkehr herrschte.

(mehr…)

Kartenspiel zu MH17

Nachdem mich ein paar Typen mit der Behauptung genervt haben, es sei erwiesen, dass die Buk (wenn es denn, wohlgemerkt, eine war) von neurussischem Gebiet abgeschossen wurde, hab ich mir mal die Karten dazu rausgesucht.

Erstmal haben wir zwei Karten. Eine Karte ist von der BUK-Herstellerfirma Almaz-Antey (genauer die Region von mir vom Original kopiert):

Wenn ich dahin fahren will, nehme ich vermutlich die Straße rechts, die Frage wäre also, wer zu dem Zeitpunkt Welikaja Schischowka gehalten hat. Die Antwort gibt es im Netz, zumindest vom 16.Juli 2014: „Несколько РСЗО „Град“ ополчения нанесли удар по блокпосту „нацгвардии“ у села Великая Шишовка в 6 км. южнее г. Шахтерск“ also einige Raketenwerfer „Grad“ der Milizen haben einen Schlag gegen einen Blockposten der Nationalgarde beim Dorf Welikaja Schischowka 6 km südlich von Schachtjorsk geführt. Bingo.

Auch eine weitere Quelle berichtet davon: „У Амвросиевки (ДНР) в районе с. Большая Шишовка в это же время Градами накрыли колонну укров.“ Also bei Amwrosiewka im Gebiet Bolschaja Schischowka wurde eine Ukie-Kolonne abgeschossen.

Ach so, die „Novaja Gaseta“ (eine prowestliche russische Zeitung) wollte die Theorie von Almaz-Antey widerlegen und machte sich auf ins Dorf Sarotschenskoje, um die Leute dort zu befragen. Nun, in dem Dorf hatten sie nichts gesehen. Dort war weder ukrainisches Militär noch neurussische Milizen. Wozu auch, bei diesem kleinen Nest? Ok, die „Novaja Gaseta“ meinte, so gezeigt zu haben, dass dort keine Ukrainer waren. Allerdings halt auch keine DNR. Und die Ukrainer würden natürlich die Straße vom Süden nehmen, und würden dabei in Sarotschenskoje sowieso nicht vorbeigucken. Die DNR hingegen müsste es – auf der Straße rechts hätten sie erst den Kontrollposten überwinden müssen, um in das Gebiet zu kommen, der andere Weg wäre über Sarotschenskoje gegangen.

(mehr…)

Und zur Abwechselung wie man über Statistiken berichtet

Mehrheit der Syrer flieht vor Assad titelt die Zeit, und schreibt dazu:

Der Hauptgrund für die Flucht von Syrern nach Deutschland ist einer Umfrage zufolge die Gewalt seitens des syrischen Machthabers Bashar al-Assad. Bei einer Umfrage haben 92 Prozent der Befragten angegeben, vor bewaffneten Auseinandersetzungen geflohen zu sein, erklärte …

Auch der Spiegel macht mit und titelt Syrische Flüchtlinge in Deutschland: Die meisten fliehen vor Assad – nicht vor dem IS.

Was steckt dahinter: Zur Organisation, die die Umfrage durchführte, schreibt die Zeit folgendes: „“Adopt a Revolution“ versteht sich als Unterstützerorganisation der syrischen Opposition. Sie gilt als den gemäßigten Rebellengruppen nahestehend.“ Also eine Umfrage, durchgeführt von Leuten, die nicht mal behaupten, neutral zu sein. Aber, geschenkt, das ist nicht der Punkt, der mich bewegt hat, darüber einen Artikel zu schreiben.

(mehr…)

Flugverbotszonen

Hinter einer paywall versteckt ist ein Artikel der Financial Times: Moscow scuppers US coalition plans for no-fly zone in Syria von Sam Jones. Was drinsteht, entnehme ich einer russischen Zusammenfassung. Die Information darüber scheint mir jedoch wichtig und plausibel genug, sie hier verkürzt wiederzugeben:

Die russische Militäroperation hat Pläne Washingtons zur Schaffung einer Flugverbotszone über Syrien vereitelt, schreibt die Financial Times unter Berufung auf diplomatische und militärische Quellen der von den USA geführten Anti-ISIS-Koalition. Nach mehrmonatigen Verhandlungen wäre man vor einigen Wochen nahe an einer Einigung über eine Flugverbotszone gewesen, die nach Plänen, die Jordanien und die Türkei vorgeschlagen wurden, geschaffen werden sollte. Früher war solch eine Zone schon in Libyen geschaffen worden. Es wurde angenommen, dass ein solcher Beschluss die Bombardierungen der Zivilbevölkerung in Norden und Süden durch Truppen von Assad beenden und Bedingungen für die Aktivisierung der Suche nach politischen Lösungen des Syrienkonflikts schaffen könnte, sagten die Gesprächspartner der Zeitung. Viele von ihnen glauben, dass die Nähe einer solchen Einigung die Vorbereitungen der russischen Militäraktion beschleunigt hat.

FT stellt fest, dass die in Syrien befindlichen vier multifunktionalen Kampfflugzeuge SU 30 hohe Manövrierfähigkeit besitzen und in der Lage sind, andere Flugzeuge abzuschießen, und der Kreuzer „Moskau“ mit S 300 bewaffnet ist, deren Einsatz in der Region vom Pentagon stark befürchtet wird. Das bedeutet, dass nunmehr Luftoperationen der Koalition angreifbar sind. Die Stationierung des russischen Militärs in Syrien hat offensichtlich gemacht, dass die Koalition jetzt keine Flugverbotszone nach libyschem Modell mehr einrichten können, solange sie nicht russische Flugzeuge abschießen wollen. Die Russen würden keine Versuche machen, Konfliktsituationen zu vermeiden, sie sagen einfach „geht uns aus dem Weg“. Damit würden nunmehr Operationen der Koalition in Syrien erheblich erschwert, was die Einschätzung der Risiken und die Planung der Lufteinsätze betrifft.

(mehr…)